Text & Fotos: Anna Holluba
Er ist mal wieder unterwegs! Stadtführer Roland Büttner initiiert erneut eine seiner Entdeckungsreisen der etwas anderen Art – diesmal lautet die Mission: Kunst in Erfurt bekannter zu machen!
So manch einer der 18 Teilnehmer meinte, das ein oder andere Kunstwerk schon einmal bemerkt zu haben, jedoch blieb deren Auftauchen an insgesamt vier Schauplätzen in Erfurt bis zum heutigen Ausflug ungeklärt. Deshalb ist an diesem Nachmittag Künstler Rolf Lindner mit von der Partie, um den Diskurs über seine Werke aus Emaille mitzugestalten.
Mit dem Drahtesel radeln wir vom Hauptfriedhof zum Erfurter Flughafen und während ich beschäftigt in die Pedalen trete, plaudert die Dame im Fahrraddress neben mir fröhlich auf mich ein: »Ich finde es sehr schön, dass solche Radtouren organisiert werden, es sollte viel mehr solche Angebote geben. Die rüstigen Rentner, die machen so viele Touren und schrubben so viele Kilometer, die fahren einem glatt davon.«
Oben angekommen verkriechen wir uns schnell in den klimatisierten Innenraum des Flughafengebäudes, natürlich nicht, ohne die vier Emaille-Tafeln unseres Künstlers zu bestaunen: „Föhn-Monsun“, „Buran-Samun“, „Schirocco-Passat“ und „Blizzard-Mistral“, steht da über dem Eingang geschrieben. Zur künstlerischen Veranschaulichung des Themas Luft wählte Rolf Lindner diese acht Windsysteme und erklärt, dass die ideenreiche Gestaltung der vier Elemente unter dem Titel „Luft-Erde-Feuer-Wasser“ eine Auftragsarbeit der Stadt Erfurt, im Rahmen des Weimarer Kulturstadtjahres, gewesen ist. »Es ist doch erstaunlich, dass die Schilder noch keiner bemerkt hat«, raunt mir eine chic gekleidete Dame ins Ohr.
Ganz anders sieht das bei unsere nächsten Station aus: Am Festungsaufgang der Zitadelle Petersberg kann man eine in brauntönen gestaltete Tafel in Augenschein nehmen, die auch vor dieser Führung schon mehreren Teilnehmern aufgefallen ist. Durch die viersprachige Aufschrift: „Erde, earth, terra semlja“ wird an dieser Stelle dem Element Erde kreativer Ausdruck verliehen.
Weiter geht’s zu einem kleinen Höhepunkt, der uns in den Künstlerwerkstätten der Lowetscher Straße erwartet: Metallgestalter Rolf Linder zeigt uns hier den Brennofen in dem er seine Kunstwerke fertigt und wir dürfen sogar dem Stadtgoldschmied über die Schultern schauen, wie er bei 850 Grad Celsius, einen Emailliervorgang durchführt – ein ganz besonderes Erlebnis für alle Beteiligten!
Über die Unstrut, zur Saale, in den breiten Strom der Elbe, fließt die Gera in die Nordsee. An einer Fußgängerbrücke im Rieth, die wir ebenfalls radelnd erreichen, hat der Metallkünstler diesen Weg des dritten Elements „Wasser“ visualisiert und wir verweilen hier, bevor wir zu unserer letzten Station, der Gestaltung des vierten Elements, dem „Feuer“, aufbrechen. Schauplatz hierfür sind die Heizwerke in der Iderhoffstraße, an deren Fassade Rolf Lindner das heiße Element eindrucksvoll inszeniert – symbolisiert durch die griechische Sagengestalt Prometheus, die den Menschen das von Zeus versagte Feuer zurückbrachte.
»Ich mache das, weil mir Erfurter Künstler, wie Rolf Lindner, wichtig sind. Ich möchte sie bekannter machen«, erklärt Roland Büttner abschließend und so neigt sich ein spannender und bereichernder Ausflug dem Ende. Zum Glück dürfen wir uns jetzt schon auf neue Ideen des Stadtführers freuen und bei seinem breiten Repertoire dürfte mit Sicherheit auch für Sie etwas dabei sein.
Erkundigen Sie sich selbst nach den außergewöhnlichen Entdeckertouren von und mit Roland Büttner und genießen Sie ganz andere Blicke auf Natur, Geschichte, Kunst und Co.
Tel. 0361 6463981
