Die Retter der Tafelrunde
Eine Warteschlange vor dem modernen Holztresen. Freundliche
Frauen und Männer dahinter packen emsig viele Beutel mit
frischem Obst und Gemüse, Brötchen, einigen Scheiben
Wurst und Käse. Konserven sowie eine Flasche Orangenlimonade
passen auch noch mit hinein.
So oder
ähnlich sieht das Bild in der Zwickauer Straße 247 bei
der Chemnitzer Tafel aus, wenn wöchentlich 5.000
Bedürftige sich ihr täglich Brot in den neuen hellen
Räumen abholen dürfen. Sie könnten in Chemnitz auch
mehr unterstützen, verrät mir Charlotte Fiedler, die der
Chemnitzer Tafel vorsteht, »aber leider reichen unsere
Kapazitäten nicht aus, um mehr Menschen zu versorgen.«
Das liege wohl an den neuen Strategien der Handelsketten, die jetzt
mehr denn je rabattierte Waren mit einem kurzen
Mindestverbrauchsdatum verkauften. Da bleibe weniger für die
Tafel übrig. Und doch sehe ich ein volles Lager mit emsigen
Helferinnen, die frisches Obst und Gemüse aussortieren und
Kisten mit Konserven stapeln. Erst jetzt wird mir bewusst, welches
Ausmaß die Bedürftigkeit haben muss. Wenn die
vorhandenen Lagerbestände kaum ausreichen.
Bedürftige, die länger als fünf Jahre auf das
Angebot der Tafel angewiesen sind, werden gebeten, sich zumindest
für ein halbes Jahr um eine Alternative zu bemühen. Nur
so können die Frauen und Männer um Charlotte Fiedler neue
Menschen aufnehmen, denen es an einem wichtigen Gut des Daseins,
dem Essen, fehlt. Es sind oft ganze Familien und vorwiegend
alleinstehende Mütter mit ihren Kindern, die in den Reihen
nach den Versorgungsbeuteln anstehen.
Ein Drittel Kinder befinden sich unter den 5.000 notleidenden
Chemnitzern. Sie haben es den überwiegend ehrenamtlichen 50
Mitarbeitern der karitativen Einrichtung besonders angetan. Da gibt
es schon mal eine Nascherei zusätzlich mit und Kinderaugen
strahlen dann. Während andere Kleine über die neuesten
Spielsachen nachdenken, erleben sie hier Freude über eine
Tafel Schokolade, die man sich mit seinen Geschwistern teilen kann.
Kindliche Freude und Solidarität in der Not. Charlotte Fiedler
erzählt mir eine Geschichte dazu.
Weihnachten
2006 erhielt sie einen Hilferuf von einer Mutter, die nicht mehr
wusste, wie sie ihre beiden Töchter über die Feiertage
hätte bringen sollen, da ihr die Arbeitsgemeinschaft nicht
rechtzeitig das Geld auszahlte. In ihrer Verzweiflung wandte sich
die Frau an die Tafel. Ihre Leiterin ging mit der dreiköpfigen
Familie durch das schon lange geschlossene Lager und stellte ein
kleines "Festtagsmenü" zusammen. Und wie es der Zufall
damals wollte, fanden sich auch noch zwei kleine
Weihnachtsgeschenke für die Mädels. »Da hatte ich
ein richtig schönes Weihnachtsgefühl, weil ich etwas
Gutes getan hatte«, schließt Charlotte Fiedler mit
tränenschimmernden Augen ihre Erzählung.
Durch den Umzug schaffen es die Helfer in diesem Jahr nicht, eine
Weihnachtsfeier zu organisieren. Daher ruft die Tafel zur
"Weihnachtskistenaktion" auf. Hier können die Bürger
der Erzgebirgsmetropole haltbare Lebensmittel zu einem
Weihnachtsessen zusammenstellen und an die Tafel spenden, die dann
an die Hilfesuchenden ausgeteilt werden. Komplettiert wird dieses
Angebot sicherlich auch von den vielen regionalen Partnern der
Lebensmittelketten, vom ortsansässigen Produzenten Lichtenauer
oder den vielen Bäckern, die alle bislang die Chemnitzer Tafel
um ihre Chefin Charlotte Fiedler schon seit 4.175 Tagen
unterstützen.
Zwickauer Straße 247
09116 Chemnitz
Tel. 0371 4323225
www.chemnitzer-tafel.de






