Von Filzhaaren und Engelslocken
Sie werden mit Spängchen verziert, zu Zöpfen
geflochten oder cool á la Beckham nach oben gegelt.
Kinderhaare werden, was das Styling betrifft, schon lange nicht
mehr ignoriert und selbst die Kleinen haben schon eine genaue
Vorstellung von ihrer Haarpracht. Doch wie pflege ich den
Wuschelkopf oder den zarten Flaum?
Was man
beim Waschen beachten sollte, ab wann Haarefärben okay ist und
wie man fiesen Kaugummi wieder aus zarten Strähnen
herausbekommt… - diese und viele andere Fragen zum Thema
gesundes Kinderhaar haben wir Haarexpertin Renate Winkler
gefragt.
Ja, das kommt vor. Vor allem Mütter von Töchtern mit langen Haaren interessieren sich sehr für die Pflege, damit die Haarpracht nicht verzippelt oder abbricht. Bei den Jungs sollen die Haare einfach nur geschnitten werden. Da interessieren sich die Eltern recht wenig für die Pflege.
Was unterscheidet das Erwachsenenhaar vom Kinderhaar?
Bis zur Pubertät sind Form und Stärke bei Kinderhaaren noch nicht so ausgebildet und die Kopfhaut merkt sich jede Sünde. Außerdem wurden Kinderhaare noch keinen chemischen Behandlungen unterzogen, wie das bei vielen Erwachsenen der Fall ist. Jungen und Mädchen unterscheiden sich in der Haarstruktur allerdings nicht.
Auf was muss man bei der Pflege der Kinderhaare
besonders achten?
Haare kann man abschneiden, wenn sie kaputt sind,
aber die Kopfhaut bleibt. Deshalb immer ein mildes Kindershampoo
benutzen, nicht dasselbe wie die Mutti. Das würde die Hopfhaut
der Kleinen zu sehr angreifen. Viele Eltern waschen die Haare der
Kinder viel zu oft. Und dann wundern sie sich über die Folgen.
Diese können beispielweise Rötungen, Irritationen und
Kopfjucken sein.
Was strapaziert die Kinderhaare am meisten?
Beim Durchkämmen der nassen Mädchenhaare sollte man
besonders vorsichtig sein, denn da brechen sie schnell ab. Am
besten beim Waschen eine Spülung von Mutti in die Haare
kneten, dabei die Kopfhaut aber auslassen oder einen Pflegeschaum
nach dem Waschen benutzen. Bei den Jungs ist das Tragen von
Mützen problematisch. Sie schwitzen darunter und die Haare
werden deshalb noch häufiger gewaschen, zudem juckt die
Kopfhaut meist unangenehm. Ein Stirnband zur Abwechslung lässt
die Kopfhaut auch mal durchatmen.
Was muss man beim Frisieren zu Hause beachten?
Niemals Haushaltsgummis benutzen. Immer extra Haargummis, sonst
brechen die zarten Haare gleich ab. Ansonsten nicht von oben
anfangen zu kämmen sondern immer im Genick Strähne
für Strähne. Am besten sind Echthaarbürsten, diese
sind aber recht teuer. Auf Plastikbürsten oder Kämme mit
abgebrochenen Zinken sollte aber verzichtet werden. Den
Mädchen kann man die Haare ruhig zwischendurch öfter mal
durchbürsten.
Schädigt Gel und Haarspray das
Kinderhaar?
Gel bei Jungs macht gar nichts aus, solange es nicht an die
Kopfhaut kommt. Es trocknet zwar durch den Alkoholanteil aus, aber
die Haare der Buben werden ja öfters mal abgeschnitten.
Haarspray tut den Mädchenhaaren nicht gut. Die Haare sind
durch die Länge älter und Haarspray strapaziert zu
sehr.
Verraten sie uns die Trends für
Kinderhaare!
Mädchen tragen die Haare wieder ganz lang. Pferdeschwänze
verziert mit Haarbändern und Haarreifen sind der Renner. Bei
den Jungs bleibt der Irokesenschnitt oder sie tragen es wieder
länger.
Wie erleben Sie den Friseurbesuch der Kleinen
Kunden?
Kinder werden immer modebewusster. Selbst Kindergartenkinder wissen
schon genau, was sie wollen. Um die Angst vor dem Langhaarscherer
zu nehmen, fahren wir bei den Kleinen zunächst damit über
die Hand, somit verlieren Sie ihre Scheu. Außerdem
müssen die Mädels und Jungs beschäftigt werden, man
muss auf sie eingehen und sie ernst nehmen. Der Besuch sollte ein
Erlebnis sein, auf das sich die Kinder freuen können.
Wie oft sollte man das Kinderhaar schneiden
lassen?
Mindestens alle sechs Wochen, vor allem bei Mädels mit langen
Haaren müssen die Spitzen dran glauben, damit kein Spliss
entsteht und die Haarpracht nicht abbricht.
Stimmt es, dass man kleinen Kindern die Haare
zunächst ganz kurz schneiden soll, damit sie später
dicker nachwachsen?
Nein, das ist ein Gerücht. Die Dicke und Fülle der Haare
ist Veranlagung. Bei dünnen Haaren eignet sich ein
süßer Pagenkopf, langes Haar würde fusselig
wirken.
Ab welchem Alter können Haare gefärbt
werden, ohne Schaden zu nehmen?
Wir hatten in der letzten Zeit einige Kinder, die sich zum
Schulanfang Strähnchen gewünscht haben. Ich empfehle
allerdings, vor dem 16. Lebensjahr die Haare nicht zu
färben.
Brauchen die Haare der Badenixen im Strandurlaub
extra Pflege? Auf jeden Fall!
Besonders blonde, dünne Haare werden durch die Sonne und das
Wasser angegriffen. Entweder man setzt den Kleinen eine
Kopfbedeckung auf oder verwöhnt das Kinderhaar ausnahmsweise
mit einer Kur. Es gibt auch spezielles Shampoo mit UV-Filter, das
die Haare zusätzlich vor der Sonneneinstrahlung
schützt.
Im Urlaub sind Rastazöpfe sehr beliebt bei
den Mädels. Darf man seiner Tochter einen solchen Haarschmuck
erlauben?
Wenn die Zöpfe nach spätestens zwei Wochen wieder
entfernt werden, ist das kein Problem. Werden die Rastas allerdings
zu lange in den Haaren gelassen, kann man sie schlechter reinigen,
sie verfilzen und bieten einen idealen Nährboden für
Parasiten.
Apropos… Läuse im Kindergarten und
meinen Nachwuchs hat's auch erwischt. Was nun?
Erstmal sollte man sich spezielles Läusemittel aus der
Apotheke besorgen und dann sehr geduldig mit dem Nissenkamm die
toten Läuse und Nissen entfernen, damit sich keine neuen
Parasiten breit machen können. Und ganz wichtig:
Bettwäsche, Stofftiere usw. sofort in die Waschmaschine
werfen.
Und wie bekommt man Kaugummi wieder aus den
Haaren?
Da man den Kinderkopf schlecht ins Eisfach packen kann (lacht),
hilft das Lösungsmittel Aceton.
Wir bedanken uns bei Renate Winkler für die fachmännische
Unterstützung und wünschen Ihnen eine läusefreie
Zeit.






