Kein trauriger Hundeblick oder Katzenjammer...
Im Tierheim Chemnitz finden zum Glück viele Bewohner recht
schnell ein neues Zuhause. Dass die Vier- und Zweibeiner aber
während ihres Aufenthalts gut versorgt sind und was beim
Wunsch nach einem Haustier zu beachten ist, hat "KIDS und Co"
für Sie vor Ort in Erfahrung gebracht.
Hundebellen, Vogelgezwitscher, friedlich im Wasser
ihre Runden ziehende Aquarienbewohner und der Geruch nach
Tierfutter empfängt uns - so wie man das erwartet. Etwa 200
Hunde und 223 Katzen, so der Stand bei unserem Besuch zum
Jahresende laut Tierheim-Oberhaupt Jens von Lienen, haben 2007 hier
auf dem gut 40 000 Quadratmeter großen Gelände einer
ehemaligen Schweinemast am Pfarrhübel ein
Übergangsquartier gefunden.
Bei unserem Rundgang durch das Gebäude kommen wir am
Vogelzimmer, am Heim für Nager wie Meerschweinchen, aber auch
Ratten und an fünf Räumen für Katzen vorbei.
Große Aufregung herrscht gerade in den nachfolgenden vielen
Hundezimmern. 44 sind es an der Zahl, aus denen lautes Bellen
ertönt und ein Anflug von Herzzerreißen macht sich
zugegebenermaßen in uns breit. Aber es ist nur im Augenblick
Fütterungszeit.
»Es gibt eigentlich kein Tierheim im wahrsten Sinne des
Wortes, sondern immer nur eine Zwischenlösung«, so
beschreibt Jens von Lienen das Bestreben der im Naturschutzbund
engagierten vier Mitarbeiter und vielen ehrenamtlich Tätigen.
Und tatsächlich liegt die Verweildauer von Katzen im
Durchschnitt bei 31 Tagen, wie uns der beherzte Tierheimleiter in
seinen Dokumenten zeigt. Es sei Aufgabe der Stadt genügend
Mittel zur Verfügung zu stellen, was eine gewisse Absicherung
und Verpflichtung bedeute. Ständig werkelt und erneuert man
hier die Unterkünfte zum Wohl der Tiere. Außerdem ist
viel Platz vorhanden, so dass zum Beispiel der Natur des Hundes
nicht nur in Einzelzwingern, vor allem auch in einer Gruppenhaltung
versucht wird, gerecht zu werden.
Die Haus-
und Kleintiere sind zu 24 Prozent gefundene Tiere, die weggelaufen
sind oder ausgesetzt wurden, fünf Prozent sind abgegeben und
der Rest durch den Amtstierarzt oder die Polizei aus Gründen
des Tierschutzes den Besitzern weggenommen worden, erfahren wir
weiter. Trotz wachsender Nachfrage nimmt das Tierheim Chemnitz
keine Exoten auf, »weil es schwierig ist, die
Lebensbedingungen artgerecht zu gestalten«, so Jens von
Lienen weiter.
Die Tierschützer prüfen bei jeder Vermittlung genau und
sehen, ob alles passt. Es gibt einiges zu bedenken und man sollte
sich am besten von Ihnen gründlich beraten lassen, bevor es
überhaupt soweit ist und man sich Hund, Katze oder Nager nach
Hause holt. Wichtig ist es dabei vor allem, dem Tier Zeit zu geben,
sich einzugewöhnen. Ein Hund entwickelt beispielsweise eine
Bindung binnen vier bis acht Wochen. »Falsch verstandene
Tierliebe, ist auch Tierquälerei«, weiß der Leiter
des Chemnitzer Tierheims.
Ihr Kind
möchte ein Haustier? Es ist zunächst Vorsicht beim
"Verschenken" geboten, ein Tier sollte man nicht einfach
mitbringen. Der Fachmann rät dazu: »Im Sinne beider
Seiten, also für Tier und Mensch, verschenken Sie lieber einen
Gutschein oder lassen sie das Kind bei uns im Tierheim selbst
aussuchen. Wir können dann einschätzen, ob es passt und
vereinbaren einen Pflegevertrag.« Jens von Lienen muss es
wissen, als Tierschützer und Hundebesitzer.
Übrigens... alle Mitarbeiter haben eigene Tiere, die sie zu
ihrer Arbeit mitbringen können. ...und so lauschen unserem
Gespräch aus dem Hundekörbchen später im Büro
noch einige Ohren mehr...






