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»Senioren an die Konsole«

Text: Karin Keding, Fotos: Dennis Stachel

Schwungvoll rollt die Bowlingkugel über die Bahn bevor sie sieben Pins auf einmal trifft. »Ja, da hat sich das Training gelohnt«, strahlt die Bowlingspielerin des Seniorenzentrums und gibt den Spielkonsolencontroller an den nächsten Teilnehmer der „Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft“ weiter.

1294845769_7018__13.jpgMit weiteren drei Mitstreitern bildet die rüstige Seniorin eines der Teams, das an der Bowling-Meisterschaft mit der elektronischen Spielekonsole Wii teilgenommen hat. Diese fand nach dem großen Erfolg der ersten Meisterschaft im Jahr 2008 nun bereits zum dritten Mal statt und ist in ihrer Art sicherlich einmalig und einzigartig.

Die Idee dazu, Senioren im virtuellen Wettstreit gegeneinander antreten zu lassen, hatten die beiden Münchener Studenten Markus Deindl und Josef Kiener. » Als die Spielkonsole Nintendo Wii im Dezember 2006 heraus kam, habe ich sie sogleich zu Weihnachten erworben«, erinnert sich Markus Deindl. Gleich am ersten Weihnachtsfeiertag nahm er sie dann zur alljährlichen Weihnachtsfeier seiner Großeltern mit und stellte ganz erstaunt fest, dass auch diese Interesse daran zeigten: » Auf einmal standen mein Bruder, meine Großeltern und ich vor dem Fernseher und spielten zusammen Wii Bowling«, berichtet er über sein erstes generationenübergreifendes Spiel mit der wii-Konsole.

Die Idee, Senioren mit der Spielekonsole vertraut zu machen und ihnen zu zeigen, wie viel Spaß das auch für sie bedeuten kann, war geboren. Im Zuge ihres Studiums, bei dem es darum ging, ein Projekt zu initiieren, das einen sozialen Charakter aufweist, fanden Josef Kiener und Markus Deindl dann zueinander und starteten gemeinsam das Konzept „Senioren an die Konsole“, mit dem sie die erste Wii Sports Bowling Seniorenmeisterschaft ausrichteten. »Die meisten Projekte widmen sich Kindern und Jugendlichen, doch wir wollten auch die Senioren einbinden«, berichtet Josef Kiener über den Beginn dieses Projekts. »Ziel ist, die kognitiven und motorischen Fähigkeiten der Senioren zu aktivieren, reaktivieren und zu fördern«, beschreiben die Initiatoren die wissenschaftliche Ausrichtung des Vorhabens im Rahmen ihres Studiums.

1294845817_4496__13.jpgMit ihrer Idee begeisterten sie im ersten Jahr 55 Senioren-Einrichtungen in München, die am Wettkampf teilnahmen. An jedem Wettkampftag stellten Josef Kiener und Markus Deindl den betagten Senioren zunächst ihr Projekt vor. Dann teilten sie die acht Teilnehmer in zwei Gruppen auf, die dann gegeneinander in den Wettstreit traten. Nach einer kurzen Einführung im Umgang mit der Wii-Konsole und der Steuerung durften einige Probewürfe absolviert werden, bevor die eigentliche Meisterschaft begann. Zuerst bewies die eine Gruppe ihr Geschick beim Bowling, dann die andere. »Wir waren begeistert, als wir bemerkten, wie der Kampfgeist unserer Wii-Senioren geweckt wurde und gleichzeitig ein Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Mannschaften entstand« berichten die Initiatoren über den Verlauf der ersten Meisterschaft. Nach Abschluss des Wettkampfs erhielten alle Teilnehmer eine Urkunde und wurden mit Medaillen ausgezeichnet.

Nach dem Erfolg der ersten virtuellen Bowling-Meisterschaft in München, nahmen 2009 bereits mehrere deutsche Städte teil. »Besonders gefreut hat uns, dass die Senioren nun schon im Vorfeld der Meisterschaft aktiv wurden. Sie trainierten in Teams und wir brauchten sie teilweise nicht mehr mit dem Umgang der Spielekonsole vertraut machen, da sie diese bereits durch ihre Wettkampfvorbereitung kannten«, erzählt Josef Kiener und berichtet lachend über Vorentscheidswettkämpfe, in denen die Besten der jeweiligen Senioren-Einrichtung herausgesucht wurden und diese dann an der Meisterschaft teilnehmen durften.

2010 schließlich fand das Projekt erstmals unter dem Motto „Generationen verbinden“ statt. »Nachdem wir mit der Bowlingmeisterschaft für Senioren so erfolgreich waren, kamen wir auf die Idee, das Projekt generationenübergreifend zu erweitern, da aufgrund des demografischen Wandels immer mehr versucht wird, Jung und Alt miteinander zu vereinen«, erzählen die engagierten Leiter der Meisterschaft. So stand bei der letztjährigen Wii-Bowlingmeisterschaft jedem Teilnehmer ein Schüler zur Seite, der als Partner im Wettstreit mit den anderen fungierte. »Für die Schüler war es eine tolle Erfahrung und sie trainierten ihre Sozialkompetenz und auch von den Senioren bekamen wir das ein und andere mal zu hören, dass die Jugendlichen doch gar nicht so schrecklich seien, wie manchmal im Fernsehen gezeigt wird«, schildert Josef Kiener seine Erfahrungen bei der dritten Meisterschaft. Den ersten Platz belegte übrigens das AWO Seniorenzentrum „Dr. Margaret Blank“ in Leipzig mit Unterstützung der Schüler des Robert-Schumann-Gymnasiums.

Wenn Sie Interesse an einer Veranstaltung in Ihrem Haus haben, dann können Sie sich unter www.wii-senioren.de bewerben.

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