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Mama oder Papa von 75 "Fridolinchen" sind Kollegen

Das Universitätsklinikum der sächsischen Landeshauptstadt macht es vor. In der nahegelegenen Kindertagesstätte "Fridolin" sind fast alle Plätze für den Nachwuchs der Mitarbeiter reserviert.

Kurze Wege und verlängerte Öffnungszeiten - davon können viele Eltern in unserer Stadt nur träumen, wenn sie ihre Zwerge in die Kindertagesstätte bringen und zur Arbeit eilen. Nur allzu oft sind die Kleinen nicht mal ansatzweise in der Nähe untergebracht, weil einfach kein anderer Krippen- oder Kindergartenplatz zu haben war.

Aber es geht auch anders. Direkt zwischen Universitätsklinikum und Großem Garten liegt "Fridolin", der von 05:45 bis 19:00 Uhr geöffnet ist. Von 75 der derzeit knapp 80 Kinder, die hier betreut werden können, sind Mama oder Papa Kollegen. In der Kindereinrichtung sind fast alle Plätze für den Nachwuchs der Mitarbeiter des Universitätsklinikums reserviert. Seit drei Jahren besteht ein Vertrag über die betriebsnahe Unterbringung zwischen der Thüringer Sozialakademie als Träger von "Fridolin" und der Dresdner medizinischen Einrichtung.

»Die Verantwortung der Stadt für ein ausreichendes Kinderbetreuungsangebot zu sorgen, gerät seit einiger Zeit an ihre Grenze«, sagt Hagen Gneuß, Regionalbetreuer Sachsens der Thüringer Sozialakademie. »Wir bemühen uns, nah dran zu sein. Das heißt auf den aktuellen Bedarf zu reagieren und gute Bedingungen für Eltern zu schaffen, damit sie Familie und Beruf besser vereinbaren können. Es ist aber leider nicht immer einfach, Unternehmen zu überzeugen«, schildert Hagen Gneuß die Situation weiter.

Birgit Finkler, Mitarbeiterin im Geschäftsbereich Personalwirtschaft am Universitätsklinikum Dresden erinnert sich, wie es zum betriebsnahen Kindergarten gekommen ist: »Ich glaube, es hat alles mit dem neuen Kindertagesstätten-Gesetz begonnen. Das Problem ist für uns der Einstieg in flexiblere Öffnungszeiten gewesen. Wir haben einen Kontakt zur Stadt gehabt und uns eine Kita in räumlicher Nähe gesucht, in der sogar bereits Kinder unseres Kollegiums vertreten waren.« Heute sei daraus eine wahrhafte partnerschaftliche Verbindung geworden. »Wir haben einen Arbeitskreis im Haus gebildet und sitzen regelmäßig mit der Kita-Leiterin zusammen. Wir pflegen die ideellen Werte miteinander, das Materielle ist nur die eine Seite, um die wir natürlich auch bemüht sind«, so Birgit Finkler weiter.

Ob Sanikästen auffüllen, Giftpflanzen prüfen, schnelle Hilfe bei Notfällen oder Materialien aus dem Krankenhaus wie Schläuche und Döschen zum Spielen für die Kinder, "Fridolin" profitiert in vielerlei Hinsicht vom "großen Partner" an seiner Seite. »Viele Eltern kennen sich durch die Arbeit. Das hat natürlich Vorteile, nicht nur für die Elternmitwirkung. Beispielsweise kann eine Mutti oder ein Vati auch mal befreundete Kinder mit abholen, wenn es bei den Eltern länger wird auf Arbeit«, meint Kathrin Hoppe, die seit zwei Jahren die stellvertretende Leiterin der Kita "Fridolin" ist.
Besonders stolz sei man zudem auch auf die Sonderprojekte, die durch die Partnerschaft zum Klinikum erst möglich geworden sind. Im Frühjahr haben Kinder, Eltern und Erzieher einen eigenen Garten eröffnet und im Herbst bereits reichlich Birnen geerntet. Sehr beliebt ist bei den Kleinen die neu gebaute Vogelnestschaukel. Laut Träger ist eine Erweiterung der Platzkapazität durch einen Neubau auf dem Kindergartengelände in Planung.

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