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»Das Gehirn ist quasi auf zu hoher Drehzahl gelaufen…«

Text: Susanne Weidner

beschreibt Professor Dr. Ulrich Brandl von der Uniklinik Jena einen der Auslöser für eine Mirgräne Attacke. Auf seiner Station für Neuropädiatrie (Kinderneurologie) in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin gehören immer häufiger junge Menschen zu seinen Patienten, die an Kopfschmerzen leiden.

Zur wöchentlichen Kopfschmerzsprechstunde kommen Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, oft sitzen auch noch jüngere Betroffene im Wartezimmer. Die Diagnose lautet nahezu bei jedem zweiten Kind Migräne.

»Die Symptome sind bei Kindern nicht so klassisch wie bei Erwachsenen. Kopfschmerzen können auch als Spannungskopfschmerzen auftreten.« erklärt Professor Ulrich Barndl. Eine recht hohe Anzahl der kleinen Patienten leidet an diesen besagten Spannungskopfschmerzen, jedoch gibt es auch Mischformen der verschiedenen Kopfschmerztypen.

Die Schmerzen voneinander zu differenzieren ist bei den jungen Patienten oft nicht einfach, weiß der Experte: »Während sich bei Migräne in der Regel der Schmerz als ein Halbseitenkopfschmerz äußert, sind beim Spannungskopfschmerz Nacken und Stirnbereich betroffen. Bei Kindern ist jedoch die Schmerzlokalisation noch nicht ausgereift. Ihnen „tut einfach der Kopf weh“.« Deshalb werden ausführliche Gespräche mit den kleinen Patienten und ihren Eltern geführt, um eine Diagnose stellen zu können.

Verschiedene Anzeichen lassen darauf schließen, unter welcher Art Kopfschmerz ein Kind gerade leidet: »Ein Migräneanfall unterbricht alles, was das Kind gerade tut. Es will sich zurückziehen und seine Ruhe haben. Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit gehen oft mit den Kopfschmerzen einher. Nicht in dieser Heftigkeit hingegen treten Spannungskopfschmerzen auf. Es handelt sich hierbei um einen ziehenden, nörgelnden Schmerz. – Ein unangenehmes Gefühl, aber er legt nicht komplett lahm.«

Einfach eine Kopfschmerztablette zu nehmen, ist nicht immer die ideale Lösung. Migräne und Spannungskopfschmerzen äußern sich nämlich nicht nur in den Symptomen unterschiedlich. Die Behandlung erfolgt ebenfalls auf verschiedene Weise. Professor Ulrich Barndl verdeutlicht: »Bei Spannungskopfschmerzen ist es besser das Kind mit einer angenehmen Beschäftigung vom Schmerz abzulenken. Wenn es sich hinlegt, kann es sein, dass es über den Kopfschmerz grübelt und sich hinein steigert. Medikamente helfen hier auch weniger gut. Für den Moment wird der Schmerz zwar gelindert, aber diese Kopfschmerzen können mehrere Stunden oder Tage anhalten und wenn die Wirkung des Mittels nachlässt, sind die Schmerzen wieder da. Hier müssen wir den Patienten schützen. Denn wenn über längere Zeit hinweg Medikamente regelmäßig eingenommen werden, wird der Körper, insbesondere die Nieren, zu stark belastet. Bei Migräne geht es zuerst darum den Schmerzanfall mit entsprechenden Medikamenten zu bekämpfen. Und die Patienten brauchen dann vor allem Ruhe.« Die Mittel gibt es auch als Nasenspray oder Zäpfchen, um bei starker Übelkeit die Einnahme zu ermöglichen.

Wenn die kleinen Patienten zu den neurologischen Fachärzten an der Jenaer Kinder- und Jugendklinik kommen, wird nach den möglichen Ursachen für die Kopfschmerzen gesucht. Viele Eltern sind besorgt, ihr Kind könne einen Hirntumor haben. »Glücklicherweise tritt diese Diagnose nur bei einem geringen Teil der Patienten auf. Mit MRT, EEG, Hirnspint-Tomografie, Kontrolle des Gleichgewichtssinns und Blutuntersuchungen lassen sich diese Tumore zu 90 Prozent diagnostizieren. Bei einem Tumor ist der Kopfschmerz aber nicht das einzige Symptom, zum Beispiel können Lähmungen auftreten oder die Motorik ist gestört. Auch äußern sich die Kopfschmerzen ganz anders. Sie werden immer schlimmer und treten nachts auf. Der Tumor braucht Platz und der Druck im Hirn steigt. Wenn das Kind liegt, fließt das Hirnwasser nicht richtig ab. Zudem nimmt die Symptomatik insgesamt sehr rasch zu«, erklärt Professor Brandl.

In den Untersuchungen wird außerdem geklärt, ob eine nicht erkannte Sehschwäche vorliegt, die zu den Kopfschmerzen führt: »Kurzsichtigkeit zum Beispiel entwickelt sich beim Wachstum des Auges. Die Symptome äußern sich oft zu Beginn der Schulzeit durch die Anstrengung beim Lesen. Die Kopfschmerzen treten dann in oder nach der Schule auf.« Auch kann eine Borrelioseerkrankung oder eine Stirnhöhlenentzündung für Kopfschmerzen sorgen.

Als Ursache für Migräne lässt sich mittlerweile festhalten, dass die Erkrankung genetisch bedingt ist. »In 30 Prozent der Fälle hat ein Elternteil Migräne. Jedoch kann man nicht sagen, wenn Mutter oder Vater die Erkrankung hat, dass das Kind sie auch haben wird. Genauso ist es möglich, dass Kinder Migräne bekommen, wenn kein Familienmitglied betroffen ist«, erklärt Professor Brandl. Welche biologischen Mechanismen bei Spannungskopfweh als Ursache gelten, ist derzeit noch ungeklärt. Es gibt jedoch Faktoren, die den Kopfschmerz begünstigen. Stress, psychische Belastung und äußere Umstände so genannte Trigger-Faktoren wie Schlafmangel oder Lärm gehören zu den Auslösern für Spannungskopfschmerz. Und auch Migräneanfälle werden hierdurch begünstigt. Auf der neuropädiatrischen Station werden die kleinen Patienten ambulant und in schwerwiegenden Fällen auch stationär behandelt. »Zu einer effektiven Therapie gehört es Stressfaktoren zu identifizieren und abzubauen. Die Kinder und Jugendlichen erlernen Entspannungsübungen und Stresshäufungen zu vermeiden«, beschreibt Professor Brandl.

Wenn der Nachwuchs über Kopfschmerz klagt, ist es wichtig aufmerksam zu werden. »Bei jedem Kind mit wiederholten Kopfschmerzen oder Dauerschmerz über zwei Tage, die nicht im Rahmen einer Erkrankung liegen, empfehle ich einen Arzt aufzusuchen«, rät der Mediziner. »Es sollte auch nicht zu lange gewartet werden. Die Probleme können sich hochschaukeln, die Angst vor dem nächsten Kopfschmerz steigert sich und verursacht wiederum Stress für das Kind.«

Es ist nicht notwendig „einfach“ mit Kopfweh zu leben, denn eine Behandlung ist möglich und der Umgang mit Schmerzattacken erlernbar. Allein im Jahre 2006 waren über 400 Kinder und Jugendliche in ambulanter, mehr als 100 Patienten in stationärer Therapie auf der Station für Neuropädiatrie in Jena.

Kopfschmerzsprechstunde: Do. 08:30-13:00 Anmeldung: 03641 938420

Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Jena www.kinderklinik-jena.de

Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft www.dmkg.de

 

 

 

 

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