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"Mehr bewegen, weniger belasten"

Vernünftige Bewegung bringt Entlastung bei Arthrose. Wir sind im Gespräch mit Dr. Karsten Gruner, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Katholischen Krankenhaus "St. Johann Nepomuk"

Herr Dr. Gruner, Ende September haben Sie im Katholischen Krankenhaus einen sehr erfolgreichen "Aktionstag Arthrose" organisiert. Doch was eigentlich ist "Arthrose"?

Als Arthrose bezeichnet man eine Gelenkveränderung auf Grund von Verschleiß und Alterung. Sie beginnt mit einer Fehlernährung des Knorpels. Im weiteren Verlauf kann es zu einer vollständigen Abnutzung der Knorpelschicht kommen, so dass die Knochen aufeinander reiben und zu Formveränderungen des betroffenen Gelenkes führen können. Die wesentlichen Krankheitszeichen der Arthrose sind der Schmerz, die Bewegungseinschränkung und die Muskelverspannung im Bereich des betroffenen Gelenkes.

Wer bekommt Arthrose? Gibt es Risikogruppen, junge Menschen - alte Menschen, oder sind alle, vom
Maurermeister bis zum Verwaltungsangesellten gleich betroffen?

Das Risiko, eine Arthrose zu bekommen, wächst mit zunehmendem Lebensalter. Während nur 4% der 20jährigen eine Arthrose haben, ist bei den über 70jährigen Menschen zu 70% eine Arthrose vorhanden. Auf Grund der ständigen Belastung beim Gehen finden wir die häufigsten Arthrosen am Hüft- und Kniegelenk. Aber auch angeborene Gelenkfehlbildungen, Gelenkfehlstellungen sowie Knochenbrüche können insbesondere an den großen Gelenken der Beine zu einem vorzeitigen Gelenkverschleiß führen. Natürlich gibt es auch bestimmte Risikogruppen. So ist der von
Ihnen angesprochene Maurermeister auf Grund seiner körperlichen Belastung mehr gefährdet als andere. Ein wesentlicher Risikofaktor ist das Übergewicht, das in unserer Bevölkerung leider weit verbreitet ist.

Was kann ich tun bei Arthrose - helfen Medikamente und Physiotherapie?

Zunächst kann ein Arthrosepatient im Rahmen der Selbsthilfe durch gelenkfreundliche Änderung seiner Lebensgewohnheiten bereits eine Menge für sich selbst tun. Nach dem Motto "Mehr bewegen, weniger belasten" empfehle ich meinen Patienten, einen Sport wie Schwimmen oder Radfahren regelmäßig zu betreiben. Möglichst zu vermeiden sind jedoch Bewegungen unter erhöhter Belastung, wie zum Beispiel Bergsteigen oder auch Tennis und Alpinski. Die ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten sind sehr vielseitig. Im Vordergrund steht dabei zunächst eine krankengymnastische Übungsbehandlung zur Kräftigung der Muskulatur, um die Gelenke besser schützen und entlasten zu können. Von grundlegender Bedeutung bei der Krankengymnastik ist es, dass die erlernten Übungen regelmäßig und über lange Zeit zu Hause durchgeführt werden. Schmerz- und entzündungslindernde Medikamente müssen häufig
über Jahre eingenommen werden, um die bestehenden Beschwerden bei Arthrosepatienten zu lindern. Operationen mit Erhaltung oder Ersatz eines Gelenkes kommen in der Regel erst nach Ausschöpfung aller konservativen Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz.

Wann würden Sie zu einer Knie- oder Hüftgelenks-Operation raten? Was muss der Patient über die Operation wissen?

Zunächst erscheint mir der Hinweis wichtig, dass die Indikation zur Operation nicht allein anhand des Röntgenbildes gestellt wird. Zahlreiche Patienten haben trotz vorliegender Arthrose nur geringe Beschwerden. Grundsätzlich wird der Operationszeitpunkt vom Leidensdruck des Patienten bestimmt. Der Ersatz des Hüft- bzw. Kniegelenkes ist also in Erwägung zu ziehen, wenn die Lebensqualität des Patienten durch die Schmerzen und die Bewegungseinschränkung deutlich beeinträchtigt ist. Obwohl der Einbau von Prothesen an den genannten Gelenken zu den erfolgreichsten
chirurgischen Operationen überhaupt gehört, haben wir unsere Patienten auch über mögliche Risiken aufzuklären. So muss man beispielsweise wissen, dass eine Hüft- oder Kniegelenksendoprothese nur eine begrenzte Standzeit hat. Unverändert muss nach durchschnittlich 15 Jahren mit einer Prothesenlockerung gerechnet werden, die uns dann zu einem Wechsel der Prothese zwingt. Die möglichen Risiken bei einer Prothesenoperation werden vor dem Eingriff natürlich mit dem Patienten durch den Operateur sowie den Narkosearzt aufgezeigt. Über das persönliche Gespräch
können wir ein Vertrauensverhältnis schaffen, welches dem Patienten die Angst vor der Operation nimmt.

Herr Dr. Gruner, vielen Dank für das Gespräch.

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