Der deutsche "Inspektor" Clueso
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über Sauna, Muttis Kuchen und den perfekten Tag - der
26jährige Sänger, Songwriter und Produzent im ganz
privaten Interview.
Wie siehst Du Dich selbst? Als Künstler
oder als Träumer - als Erwachsener oder als
Jugendlicher?
(lacht) von allem etwas. Ich glaube, ich selber habe mich die
letzten zwei Jahre erst mal damit auseinandergesetzt, dass ich
Künstler bin. Vorher war ich nur jemand, der sich für die
Musik so sehr interessiert hat, dass er alles andere vergessen
hat.
Ist Dir Dein Talent sozusagen in die Wiege
gelegt worden?
Ich denke, wenn man sich für irgendwas interessiert und sich
darin verliert - sofern man die Möglichkeit hat, sein Ding zu
finden, rechtzeitig, dann entwickelt man auch ein Talent
dafür.- Oder wird da auch gut drin, wenn man den Ehrgeiz hat.
Wenn man sich in irgendwas verliert, dann hat man den Ehrgeiz. Das
hat bei mir einfach zeitig angefangen. Aber ich denke, dass es als
Kind auch schon so war. Das hatte ich auch schon, schlimmer als
jetzt, Mittelpunktsucht. (lacht)
Welche Leidenschaften außer der Musik
gibt es noch in Deinem Leben?
Ojeoje…(lacht verschmitzt, überlegt kurz) Ich habe halt
ein Umfeld wie hier (im Zughafen - die Studiogemeinschaft, d.R.),
da kann ich mich zurückziehen. Oder ich geh halt auch gern in
die Sauna oder irgendsowas. Fahr' dann halt komplett runter.
Möglichst da, wo es sehr ruhig ist.
Dein neues Album heißt "Weit weg"
aber Du lebst selbst noch immer in Erfurt…
Ich bin hier zu Hause, ich bin halt hier geboren, ich kenne mich
aus. Jede Ecke hat so'n Feeling, finde ich…. - oder sagen
wir… Als Künstler, wenn Du irgendwie
verarbeitest…. - du bist halt wie ein Journalist, du bist
unterwegs und saugst auf, die ganze Zeit. Und ich finde das
Netzwerk, was in 'ner kleinen Stadt herrscht, viel gesünder
und informativer - da kriege ich viel mehr mit als in 'ner
Großstadt. Ich finde es ganz wichtig, ein Zuhause zu haben.
Und so war halt Erfurt mein zu Hause, weil ich hier geboren bin,
aber auch weil es von der Stadt gepasst hat - also die goldene
Mitte…
Was hat es mit Deinem neuen Song "Winter
Sommer" auf sich?
Also "Winter Sommer" ist auch so 'n Song… manche Leute
finden den komplett geil und manche kommen nicht damit klar, weil
ich da den Chorus in Kopfstimme singe die ganze Zeit, so richtig
hoch. Und das ist sehr wacklig, was für mich aber auch gepasst
hat zum Song, weil er so ein bisschen zerbrechlich ist.
Weißt Du, wie viele Autobahnkilometer
Dein Album hält…
Das würde mich auch mal interessieren… (lacht) Das ist
aber auch so'n Ding… Ich denke auch oft daran, wenn ich
Musik mache, dass man das im Auto auch hören kann. Da habe ich
so den Gedanken zu, weil dieses Rausfahren, was sehen und dann die
Musik dazu, die so'n bisschen Hörspiel-Feeling hat…
für mich ist da immer irgendein Film, der abläuft. - Ich
mache selten Songs, die einfach nur so dahin dudeln - sondern ich
mache halt immer Filme, so 'ne Art Geschichte…
Wie gehst Du mit dem stetig wachsenden Erfolg
um?
Bei den ersten drei Konzerten mit den Fantas (Die Fantastischen
Vier, d.R.) habe ich gedacht: "Nee das ist die Spitze vom
Eisberg!" Da war für mich noch die erste Überlegung,
ich glaube, so viele Menschen will ich gar nicht begeistern. Und
als ich gemerkt hab', es funktioniert, dann habe ich gedacht: Na
klar will ich so viele Leute begeistern und ich weiß jetzt,
dass es geht. Es kamen Reaktionen nach den letzten Konzerten, die
so heftig waren, dass ich gesagt habe: "Cool, das will ich!! -
aber ich brauch 'nen Ausgleich". Insofern würde ich immer
Geheimkonzerte machen oder Sachen in Cafés spielen, auf der
Gitarre. Das haben wir jetzt in Weimar gemacht, da waren 400 Leute
da, die saßen da einfach auf dem Boden. Und das würde
ich halt niemals missen wollen.
Du hast permanent Ideen für neue Songs.
Wonach wählst du aus, was aufs Album kommt?
Völlig egal. Wenn es mich gerade überkommt, dann wird
auch in 'nem Interview schnell mal was aufgeschrieben (lacht). Also
das hat dann auch Vorrang. Wenn ich 'ne Idee habe und merke da
tröppelt irgendwie ein Satz oder irgendwas, dann mach ich das
gleich. Da kann meine Mutter draußen mit Kuchen
warten… die muss dann ein bisschen warten (lacht)
Chicago ist eine sehr gute Vorlage, wie auch
die Songs zuvor. Jetzt nachzuziehen ist
schwierig…
Ich hatte irgendwie Angst, wie kann ich das jetzt toppen? Die Alben
kommen scheinbar alle so 'n bisschen von hinten rum, die kommen
nicht sofort, wenn du sie hörst. Es hat ewig gedauert. Die
Konzerte waren nicht voll, als Vorband hat uns keiner gekannt. Und
es war sauschwer, den Leuten 'n Lied zu präsentieren, so dass
sie jedes Wort verstehen, dass die den Song mitfühlen und dann
am Ende noch mit rocken. Und dann war es so, plötzlich so nach
2 Jahren oder nach 1,5 Jahren, nachdem das Album draußen war,
kamen plötzliche Leute in Essen oder so auf 'nen Festival und
du gemerkt hast: fast 80 % singen die Songs mit. Das zu toppen,
dieses Gefühl wiederzuerlangen mit 'nem Album, da lass ich
mich jetzt überraschen.
Wovon träumst du noch?
Das willst du nicht wissen... (lacht laut)
Doch!
Ich lebe jetzt nicht so in dem: "Ich möchte da und da leben
und das möchte ich unbedingt erreichen." Ich find's gut,
gerade wo ich bin und ich weiß, der schönste Moment den
Künstler haben, ist die goldene Mitte, glaube ich zumindest.
Ich bin nicht so bekannt, das es mir auf den Sack geht, auf die
Straße zu gehen - und ich bin nicht so unbekannt, dass ich
Angst haben muss, mich erkennt keiner. Es ist so 'ne gesunde
Steigerung zu erkennen. Und das finde ich eigentlich cool. Insofern
träume ich von nichts anderem als dass es so weiter geht.
Natürlich habe ich auch so romantische Träume, dass ich
denke, ach irgendwann mal möchte ich auch mal einen Bauernhof
mit Familie. Finde ich auch geil die Idee, aber nicht jetzt.
Wo trifft man Clueso privat?
In der Sauna! (und wieder das ansteckende, herzliche Lachen)
Ich wohne in der Nähe vom Anger 1, da hole ich meine
Brötchen. Insofern kannst du mich da vielleicht treffen.
Wie sieht der perfekte Tag für Dich
aus?
Boah… wenn ich auf was zurückgucken kann, was geschafft
habe. Am coolsten ist es… der perfekte Tag ist für
mich, ein Ergebnis zu haben. Also nach 3 Tagen Arbeit etwas in der
Hand zu halten, was vorher im Kopf war. Das finde ich immer
faszinierend, das ist cool. Und der perfekte Tag… wenn alles
klappt, wenn du eigentlich nichts organisieren musst und es am Ende
aussieht, als hättest du voll den Plan gehabt. - Das ist der
geile Tag! (lacht)





