Fischer-Art: Der tiefgründige, doch "gläserne" Künstler und zweifache Familienvater
»Moment, ich male das nur noch, dann komme
ich.« Mit diesen Worten, die man irgendwie fast erwartet,
empfängt mich Michael Fischer-Art in seinem stadtbekannten
Atelier in den Brühl-Arkaden schräg gegenüber vom
Leipziger Hauptbahnhof. Das 2.485-ste Werk des tiefgründigen
und doch zugleich "gläsernen" Künstlers sowie
zweifachen Familienvaters entsteht gerade.
Noch ein paar blaue
Pinselstriche. Ich schaue ihm neugierig über die Schultern.
Dann schüttelt Fischer-Art mir die Hand, wie kürzlich
zuvor unter anderem dem Dalai Lama Tenzin Gyatso und dem deutschen
Bundespräsidenten Horst Köhler. Die großen Fotos im
Hintergrund und Zeitungsausschnitte in einer Extramappe zeigen es.
Ein langjähriger Freund vom ihm und Kunstsammler, der gerade
ebenfalls mal reinschaut, bestätigt es: Michael sei eben ein
"Künstler zum Anfassen", bekannt für seine
Bürgernähe und offene Art.
Nicht
nur seine Palette an kräftigen Farben, auch seine Wirkung in
der Öffentlichkeit ist bunt und reicht von genial, laut
FDP-Frontmann Guido Westerwelle, bis nahezu todesmutig, wie sein
ehemaliger Professor Rolf Münzner einmal behauptet hat. Ob
Ölplattform in Norwegen, Flüchtlingslager in Tibet oder
Kirchaltar - kein Ort der Welt ist für ihn tabu. Und wenn der
Künstler wie 2007 allein 213 Tage im Ausland gewesen ist und
eine Telefonrechnung von rund 6.000 Euro zu seiner Familie nach
Hause schon mal sein muss, so erscheint er trotzdem anwesend -
durch seine auffälligen, fast comic-haften Bilder und
spektakulären Hausgestaltungen. Und das weit über die
Leipziger Stadtgrenzen hinaus. »Das aus Ihnen was geworden
ist«, wundern sich seine Lehrer von früher, wenn sie ihn
heute auf der Straße treffen, erzählt Fischer-Art.
Schon in der Schulzeit habe er alles vollgekritzelt - auch
Stühle und Bänke - damit so manche Rüge und
schlechte Note im Betragen kassiert. Heute haben seine Bilder
locker Preise im vierstelligen Bereich. Seiner Heimatstadt Leipzig
hat er am Fockeberg einen trojanischen Spielplatz für mehr
als
30 .000 Euro gestaltet und geschenkt. In zahlreichen sozialen
Einrichtungen, wie dem Ronald-McDonald-Haus der Messestadt und der
Psychiatrie hat sich der 39-jährige gelernte Maurer und
ehemalige Student der Hochschule für Grafik und Buchkunst
Leipzig darüber hinaus ehrenamtlich
engagiert sowie künstlerisch verewigt. Mit
sozialkritischen Inhalten, aber positiv sind seine Kunstwerke
gemeint. »Dass sich Eltern ein Bild mit Bin Laden von mir
hinhängen und ihren Kindern zeigen, so schlecht ist die Welt,
das gefällt mir«, sagt er.
Wie bringt er seinen eigenen Kindern Werte bei? »Mit
Hörspielen und Büchern, Fernsehen nur selten und wenig.
Ins Kino gehen wir gemeinsam, um miteinander darüber sprechen
und vieles erklären zu können. Ich lese auch gern
Gute-Nacht-Geschichten vor. Oder besser gesagt erfinde ich sie
meistens selbst. Dann jagt zum Beispiel Spiderwuff einen
gemeingefährlichen Bankräuber und ein
schnauzbärtiger Polizist spielt ebenfalls mit ...«,
spricht der Familienvater Fischer-Art. Viel kriegen die Kinder
natürlich außerdem durch seine Arbeit und
Popularität mit. Sohn und Tochter malen selbst und haben extra
von Papa jeder eine eigene Mappe für ihre Kunstwerke
bekommen.
Seine Frau Heike ist unterdes stolze Besitzerin seines
Lieblingsbildes mit dem Titel "Der Weg zum Farbschock und
zurück". »Das habe ich ihr geschenkt, aber wenn wir
uns mal scheiden lassen sollten, ist es wieder meins!«
scherzt der Künstler.
Davon
scheint es keine Spur zu geben, Fischer-Art hat nämlich ganz
andere Familienpläne, wie er verrät: »Ich habe ein
jordanisches Flüchtlingskind adoptiert, das ich nach
Deutschland holen möchte.« ...in sein Haus mit Garten in
Markkleeberg, das in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem
Künstlerkollegen Neo Rauch liegt.
Sein Herz für Kinder hat Fischer-Art im April auch am Kap
Zwenkau, an einem der neu entstehenden Seen vor den Leipziger
Stadttoren bewiesen. Binnen vier Wochen hat er hier innen und
außen unverkennbar eine Kindertagesstätte in bunte
Farben getaucht.
Was würde ihn außerdem mal reizen? »Leitsysteme in
Krankenhäusern, auf Bahnhöfen oder etwas Bewegliches wie
zum Beispiel einen Zug würde ich gern mal gestalten«,
sagt Fischer-Art als wir uns verabschieden. Sein 2.485-stes Werk
muss allerdings noch warten, denn der nächste Besuch,
Geschäftspartner von ihm, ist schon da ...im gläsernen
Künstleratelier.





