Kribbelbunt

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Praxisbeispiel Familienpolitik im
Vorzeigeunternehmen Mitteldeutschlands oder
"Weißt Du, meine Mutti arbeitet auch bei "PC-Bär"

Kunstwerke von Rhode zieren die schmalen Flure…,freundliche Stimmen grüßen Kommende, Gehende… ,die Atmosphäre wirkt entspannt - selbst für zwei junge Menschen, die offensichtlich auf ein Vorstellungsgespräch warten… Ein herzliches Lachen erhellt den Raum nebenan… die Männer und Frauen, die hier arbeiten, wirken einander vertraut, "Du" und "Hallo" sind hier häufig kommunizierte Worte…

Wir sind heute morgen mit Frau Löschke zum Frühstück verabredet. Und auch ganz pünktlich in diesem, trotz all der entspannt wirkenden Herzlichkeit präzisen Räderwerk erscheint die erste Dame des Hauses ganz unprätentiös und begrüßt uns freundlich. Petra Löschke. Eine Frau, der man(n) fachmännischen Verstand, hohen Intellekt und ausgesprochene Empathie nachsagt - und die die starke Frau hinter einem starken Mann ist, dem Vorstandsvorsitzenden der PC-WARE AG, Dr. Knut Löschke.
Das Unternehmen PC-WARE AG, dessen Hauptsitz in Leipzig ist, beschäftigt rund 1200 Mitarbeiter in aktuell 17 Ländern der Welt. Dass diese Zahlen auch in Zeiten der wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland kontinuierlich weiter stiegen und steigen, ist nicht allein der Grund für die Aufmerksamkeit, die dem Unternehmen entgegengebracht wird. Nein, die besondere Unternehmenskultur ist es, von der sogar die Familien der Mitarbeiter profitieren.

Guten Morgen Frau Löschke! Gerade noch sprachen Sie während der Bestellung in der Cafeteria mit einem Mitarbeiter zum aktuellen Stand der Arbeit in einem südostasiatischen Land …, - Ihre firmeninterne Tätigkeitsbezeichnung jedoch lautet "social affairs"!?
Es ist gar nicht so leicht einen Titel für meine Arbeit zu finden. Früher hieß das im weitesten Sinne "KSF"- Kultur und Sozialfonds. Heute muss es ja dafür eine englische Bezeichnung geben… wenn ich nicht Vice-Präsident drauf schreiben kann, dann…. Dennoch bin ich selbstverständlich sehr an den geschäftlichen Abläufen im Unternehmen interessiert.

Sie sind als Mitbegründerin des Unternehmens seit 1990 im Unternehmen aktiv. Sie haben dennoch keine Funktion im Vorstand. Welchen Grund gibt es dafür?
Einen ganz einfachen. Wir haben einen Kredit aufgenommen, um die ersten Geschäfte zu tätigen. Und die Bank hat neben der Verpfändung unseres persönlichen Besitzes zur Bedingung gemacht, dass es zwei verschiedene, unabhängige Einkommen zur Besicherung geben muss. Das heißt, wir durften nicht beide im eigenen Unternehmen arbeiten. Und als ich wieder zu PC-Ware gekommen bin, gab es bereits Leute, die waren in spezifischen Bereichen einfach besser als ich. Also bringe ich mich in dieser Stabsstelle im Sinne des Unternehmens und seiner Mitarbeiter ein.

Ihr Tag, so wurde uns erzählt, ist dennoch oder gerade deswegen gut gefüllt… Was genau füllt Ihren Tag? (Ein nachdenkliches Lächeln wird zum freundlichen Lachen… Es lässt erkennen, dass diese Antwort keinen Anfang, erst recht kein Ende kennen würde. Und dann, wieder ganz nüchtern -)
"Ich bin unter anderem für den Arbeitsschutz zuständig…, und für die Galerien in 6 Niederlassungen unseres Unternehmens."

Sie sind Galeristin und verkaufen die Bilder der Künstler?
Naja, ich helfe auch manchmal mit einer Vermittlung - die Künstler sollen natürlich auch etwas davon haben. Wir kaufen selbst von jeder Ausstellung ein Kunstwerk, welches unsere Mitarbeiter aussuchen, und bieten dem Künstler ansonsten einfach ein Podium. Aber ich habe mit dem Geschäft als solches nichts zu tun.

Im Gegensatz zur Kunst ist der Arbeitsschutz wohl eher die, nun ja, "trockenere" Angelegenheit?
Nein, gar nicht. Gerade bereiten wir für unsere Mitarbeiter die Grippeschutzimpfung vor. Dann hatten wir bereits auch Blutspendenaktionen, es gibt Fahrsicherheitstraining. Auch die Erste Hilfe-Ausbildung gehört dazu. Zudem habe ich auch jemanden engagiert, der ins Haus kommt und als kurativer Mediziner arbeitet. Das heißt, wir haben regelmäßige Sprechstunden im Haus. Und wir haben sogar eine Masseurin… Diese Dinge sind alle auf meinem Mist gewachsen, um das mal so zu sagen.

Sind dies Faktoren der Arbeitszufriedenheit in Ihrem Hause?
Da muss ich Sie enttäuschen, es gibt keine Relation zwischen guten Arbeitsvoraussetzungen und wirtschaftlichen Erfolgen. Darüber kann man traurig sein oder nicht, es ist einfach so. Oft sind Unternehmen mit schlechteren Bedingungen sogar die wirtschaftlich erfolgreicheren. Doch da mein Mann und ich hier mehr Zeit als in unserem Zuhause verbringen, möchte ich mich im Umfeld unserer Mitarbeiter wohlfühlen und ebenso wie diese gern hier arbeiten.

Wie sehen denn die Vergünstigungen im speziellen für Mütter im Unternehmen aus?
Das Kindergartenprogramm wurde gemacht, damit die Frauen, die schon lange hier arbeiten und immer gedacht haben: eigentlich hätte ich schon ganz gerne Kinder - aber wenn ich jetzt Kinder habe, dann fliege ich hier raus und komme nicht wieder rein - die Möglichkeit ,Kinder zu bekommen, für sich wahrnehmen. Und ich finde es auch sehr schade, wenn eine Frau den Wunsch nach Kindern verliert. Weil es auch für die Gesellschaft nicht gut ist. Und ich kann nur an der Stelle, an der ich Einfluss habe, diesen geltend machen. Seit wir diese Kindergartenmöglichkeit bieten, haben wir auch einen richtigen Anstieg an Geburten! Was nicht so sehr damit zusammenhängt, dass alle ihre Kinder in diesen Kindergarten bringen - sondern vielmehr mit dem Gefühl, in diesem Unternehmen ist es kein Problem, ein Kind zu haben.

Kindergartenmöglichkeit - das heißt?
Wir haben mit unserem Förderverein des Kindergartens erreicht zusätzliche Krippenplätze zu schaffen, wodurch die Kinder unserer Mitarbeiter dort ab dem ersten Lebensjahr betreut werden können. Übrigens: Dieses Angebot gilt in unserem Unternehmen nicht nur für Mitarbeiterinnen, sondern auch für unsere Herren. Ich habe es sogleich auch bereut (lacht herzlich)…- in Folge stieg die Zahl der Kinder nämlich auf das Doppelte an... Daneben zahlen wir einen Zuschuss für Schulbuchgelder und eine monatliche Summe für die KiTa oder Krippe. (Dies ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass diese Ausgaben sogar von den Aktionären des Unternehmens getragen werden und bei der letzten Aktionärsversammlung mit Beifall bedachten. Red.) Zudem veranstalten wir Sommerfeste und Kinderweihnachtsfeiern, bei denen u.a. immer ein tolles Stück aufgeführt wird, mit den Kindern unserer Mitarbeiter. Und: Wir bieten so allen Kindern die Möglichkeit ,den Arbeitsplatz ihrer Eltern zu sehen.

Sie vermeiden die Aussage: "Familie und Beruf unter einen Hut bekommen."?
Das Problem ist immer das Karrieredenken. Ich meine, Sie leben doch. Zum Leben gehören Kinder und eine Familie oder auch nicht - je nachdem ,wie man sich entscheidet. Jedoch niemand fragt:"Wie bringen Sie denn Ihr Leben und Ihren Beruf zusammen?! "Das passt nur dann nicht, wenn man(n)/ Frau von einer Sache mehr als von der anderen will. Der Anspruch der Frau ist oft der, ein Familienleben zu haben, als ob sie Hausfrauen wären und parallel dazu Karriere zu machen. Das passt natürlich nicht. Wenn die Männer den Anspruch hätten, ihre Kinder wachsen zu sehen, in die Schule zu bringen und mit ihren Kindern zu spielen, dann könnten sie auch keine Karriere machen. Die Frau hat die Möglichkeit sich zu entscheiden wie ein Mann, sich einen gut aussehenden blonden oder schwarz gelockten Jüngling zu nehmen, der ihr die Kinder betreut ,und dann könnten sie auch Karriere machen. Aber dann müssen sie auch damit zufrieden sein. Oder man teilt sich rein. Und das passt eben bisher nicht mit dem üblicherweise gelebten Modell zusammen.

Sie selbst haben es mit Ihren beiden Kindern so gelebt und sehen Ihre Tochter noch immer täglich!?
Ja. Wir haben das große Glück zusammenarbeiten zu können, da Rita hier im Hause für das Marketing zuständig ist…(Lächelt.) Es ist ein schönes Gefühl, wenn man zwischendurch einfach mal gucken kann…

Stichwort: Betrieblich unterstützende Kinderbetreuung - zu diesem Thema gibt es eine Kooperation mit dem Sozialministerium Sachsen. Sie waren mit Ihrem Unternehmen der Anstoß für dieses Projekt?
Ich denke, die Zeit war reif dafür. Etwa zeitgleich mit der "Comsa" war die Idee entstanden, einen betrieblichen Kindergarten in die Realität umzusetzen. Sozusagen war es sicher schon der Anstoß dafür.

Bei all der Arbeit… bleibt für Sie und Ihren Mann noch gemeinsame Zeit für Ihr Hobby, das Reiten?
Jeden Samstag und Sonntag machen wir das. Es ist ein sehr aufwendiges Hobby. Die Pferde wollen bei unseren Besuchen ja nicht nur geritten, sondern auch gepflegt werden.Ich finde, es ist auch ein toller Sport für Kinder. Ich kenne eine ganz wunderbare Ergotherapeutin die z.B. behinderte Kinder mit Hilfe der Pferde therapiert. Ich habe es erlebt, es war herzergreifend. Es ist so toll zu sehen, wie Kinder durch den Umgang mit Pferden an Selbstwertgefühl und Disziplin wachsen.

Was macht die Faszination dieser Tiere aus?
Pferde sind unser Spiegelbild. Sie reflektieren, wie wir sind. Von Erwachsenen bekommen Kinder oftmals die Vergangenheit geboten: Du hast die Blumenvase zerschlagen, jedes Mal bist Du frech usw. sind Aussagen, die die Vergangenheit widerspiegeln. Ein Pferd hingegen gibt zu verstehen: Du bist lieb, dann bin ich auch lieb. Hyperaktive Kinder werden ruhig, sie lernen sich auf die Bewegung des Pferdes einzulassen, behinderte Kinder lernen dadurch z.B. das Koordinieren.

Einstmals eine süße Idee und nun schon Tradition - für jeden Neuankömmling, also jeden Mitarbeiternachwuchs, gibt es ein ganz besonderes Souvenir - den kleinen blauen PC-Bären….
Ich weiß noch… wir hatten im Zoo Leipzig eine Patenschaft für zwei Bären übernommen und waren dort bei einer Veranstaltung, als ein kleines Mädchen meinem Mann am Ärmel zupfte und sagte: "Weißt Du, meine Mutti arbeitet auch bei "PC-Bär"." Damit war die Idee dieses besonderen Maskottchens geboren. Wir haben dann lange nach einem passenden Aussehen gesucht, aber schnell entschieden, dass unser PC-Bärchen eine Handpuppe sein soll, mit der man so richtig schön spielen und schmusen kann. (Man lässt diese Handpuppe konsequent in Ostdeutschland fertigen. Red.)
Frau Löschke, ein ausgesprochen herzliches Dankeschön für das Gespräch und insbesondere die ganz persönlichen Einblicke.
Ein PC-Bärchen ist übrigens ab sofort Mitglied der KIDS und Co Redaktion und wurde von uns Knüt getauft...

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