Der Mensch hinter dem PRINZEN
Gekrönten Häuptern tritt man mit einer
gehörigen Portion Respekt entgegen. Meist begründet. Aber
sie sind letztlich auch Menschen, wie Du und ich. Sebastian
Krumbiegel von den PRINZEN - hautnah im "KIDS und Co" -
Interview über sein soziales Engagement, seine Musik und ganz
persönliche Ansichten.
Puuuhh… ganz schön heiß… - an
Tagen wie heute sieht man Dich in Leipzig zum privaten
"Auftanken" ja gelegentlich im Paddelboot…
"… oder beim Fahrrad fahren, oder beim Schach spielen
(lacht). Ja, ich bin da sehr aktiv in der wenigen Freizeit, die ich
habe. Übrigens auch ein totaler Lokalpatriot. Ich verbringe
jede freie Minute mit meinen Kindern. Und die beiden haben meistens
schon Ideen, was wir anstellen, welches Abenteuer auf uns wartet.
Ich finde, dass das was man Kindern geben kann Zeit und Liebe ist.
Ich gebe meinen Kindern jeden Tag und immer wieder das Gefühl,
sie sind das Größte und Wichtigste für mich. Das
mache ich sehr bewusst."
Doch nicht nur Deine eigenen Kinder liegen Dir sehr am
Herzen. Seit dem ersten Spatenstich engagierst Du Dich besonders
für die Kinder des Ronald McDonald-Hauses in
Leipzig…
"Ich wurde 1998 angesprochen, ob ich
die Schirmherrschaft übernehmen würde. Ja und ich war
tatsächlich durch eine persönliche Geschichte zwei Jahre
zuvor betroffen. Als mein Sohn - heute ist er zehn - geboren wurde,
gab es ganz viel Stress, weil er einfach immer mal nicht geatmet
hat. Da merkst Du erst mal, alle Erfolge und Dein Ruhm sind in dem
Moment absolut zweitrangig. Und wenn Du das einmal miterlebst, ist
eine Unterstützung für andere überhaupt keine
Frage."
Beschreib doch mal kurz, wie Deine Hilfe konkret
aussieht!
"Wichtig ist, dass man mit dem Herzen dabei ist, sich einmischt,
sich kümmert. So mache ich das auch, nehme an Veranstaltungen
teil, besuche Eltern und ihre Kinder im Haus oder auf der Station.
Und es ist unglaublich, wie man dann mit seiner Wirkung als der
bekannte Musiker die Betroffenen aufbauen kann, sich sogar manchmal
Blutwerte messbar verbessern. Ich stehe aber auch in der Stadt auf
der Matte und kämpfe um finanzielle Mittel, spreche alle
möglichen Leute an die ich kenne und helfe mit, ein soziales
Netzwerk aufzubauen - bin einfach da. Generell finde ich, man
sollte anderen abgeben, wenn man selbst auf der Sonnenseite lebt.
Das halte ich mir immer vor Augen."
Du wirst dadurch mit vielen schlimmen Schicksalen
konfrontiert, wie gehst du mit den Betroffenen um?
"Auf
jeden Fall sage ich nicht mitleidig, du Armer. Das würde auch
keinem helfen. Ich versuche im Umgang ganz normal zu sein. Das baut
meiner Meinung nach auf. Obwohl es mich manchmal auch sehr viel
Kraft kostet, wenn man so Schlimmes sieht und genau Bescheid
weiß. Deshalb ist's auch meine Sichtweise: Man sollte nicht
erst warten bis es einen selbst betrifft, sondern froh und
zufrieden sein wenn alle Lieben gesund sind und anderen
helfen."
Sind Deine Kinder eigentlich auch musikalisch
begabt?
"Ja, beide. Sie spielen Instrumente und singen
im Gewandhaus Kinderchor, beide sind klassisch musikalisch
ausgebildet. Eine gut bürgerliche musikalische Erziehung - da
stehe ich auch voll dazu. Ich weiß ja selbst, wie stark das
die persönliche Entwicklung beeinflusst. Und die Quote der
Musiker, die mit einem Baseball-Schläger um die Häuser
ziehen, ist bestimmt verschwindend gering. Das ist übrigens
auch eine Richtung, in der sich Tobias (Bandmitglied Tobias
Künzel, d. Red.) stark macht. Wir haben in der Band die Regel,
dass wir gemeinsam Aktionen durchziehen und somit unsere
Popularität nutzen. Aber auch, dass jeder von uns eigene
Projekte haben kann und dafür verantwortlich ist. Er war also
zum Beispiel erst vor kurzem bei unserem Bundespräsidenten
Horst Köhler mit der Forderung, dass Musikschulen, dass
musikalische Erziehung wieder ernster genommen werden."
Ihr seid im Moment viel unterwegs mit eurer
Musik…
"Wir haben zum Beispiel gerade beim
Public Viewing auf den Fanfesten der Fußball-WM in
verschiedenen Städten gespielt. Dann haben wir dieses Jahr mit
einer Tour durch die Opern und großen Konzerthäuser
angefangen. Das ist ein wichtiger Schritt für uns. Wir wollen
uns nicht pausenlos wiederholen, sondern auch neue Sachen angehen
und ein neues Publikum erobern. Jetzt im Sommer wollen wir auch
noch mit einem großen Orchester in Mecklenburg-Vorpommern
auftreten. Auf die Erfahrung freue ich mich schon
besonders."
Man merkt, es kribbelt da gewaltig und Du setzt Dich
sehr mit Dir auseinander…
"Ich finde es einfach
unglaublich wichtig sich immer wieder neu zu definieren, sich
weiter zu entwickeln. Sonst wird es doch langweilig. Und ich bin
mit dem Herzen dabei. Es macht mir einfach Spaß und ich sorge
aber auch dafür, dass das so bleibt. Dann sind auch die Leute
die uns hören begeistert. Das klingt immer komisch. Aber
Erfolg hat immer viel zu tun damit, ob man Lust auf etwas
hat."
Der Erfolg gibt Dir/ Euch Recht - wie erlebt ihr das als
die Prinzen, also gemeinsam?
"Wir sind froh einander zu
haben und kennen uns teilweise schon seit der vierten Klasse, haben
gemeinsam schon einiges erlebt. Und wir wollten immer Musik machen
und damit nicht nur unser Geld verdienen. Dann gingen wir nach dem
Mauerfall ab wie eine Rakete. Klar ist es auch ein irres
Gefühl, wenn Du auf der Bühne stehst und Tausende jubeln
Dir zu. Das ist Futter für Dein Ego. Dann denkst Du, man bin
ich ein toller Typ. Aber Du musst immer aufpassen, dass Du alles
was du erlebst, nicht als Selbstverständlichkeit hinnimmst.
Sondern mit Ehrfurcht. Dazu ist die Band ein guter Halt. Es kann
sich alles sehr schnell relativieren, wenn etwas Schlimmes
passiert. Nichts ist selbstverständlich. Wie damals bei meinem
Sohn. Da stand ich vor den Goldenen Schallplatten und die haben ihm
und mir auch nicht helfen können. Aber zum Glück gibt es
da bei ihm heute keine Probleme mehr."
Was wünscht Du Dir für die
Zukunft?
"Ich hoffe, dass die musikalische Reise immer weitergeht und mir
Spaß macht. Und das Publikum soll Freude empfinden. Ansonsten
werden wir uns als Band weiter einmischen und hoffentlich anderen
damit Mut machen, selbst Soziales zu tun. Für mich gilt da die
einfache Grundregel: Nicht immer schimpfen, sondern anpacken. Jeder
kann da seinen Beitrag leisten. Egal ob er ein Popstar ist oder
nicht."
Welchen Traum hast Du?
"Die Erde mal von außen zu sehen, als Astronaut. Das muss
geil sein. Und unseren blauen Ball würde wohl keiner mehr
leichtfertig zerstören, wenn das für alle mal
Pflichtprogramm wäre."





