»Ich bin ein totaler Familienmensch.«
Sie hängt ihre Schlittschuhe für immer an den Nagel, erinnert sich gern an ihre Heimat, ist durch und durch Mensch wie Profi. Einfach so, wie man sie sich vorstellt - Katarina Witt.
Die "KIDS und Co"-Redakteurinnen Susann de Luca und Ramona Krause hatten mitten im Medienrummel um ihre Abschiedstournee Gelegenheit für ein persönliches Gespräch mit der weltbesten Eiskunstläuferin aller Zeiten in Berlin.
Frau Witt, nun
haben Sie fast Ihr ganzes Leben auf dem Eis verbracht und alles
erreicht, was man erreichen kann. Da fällt Ihnen der Abschied
sicher nicht leicht …
Irgendwann ist das Haltbarkeitsdatum in körperlicher Hinsicht
einmal abgelaufen. Obwohl ich festgestellt habe, dass das Eis
scheinbar einen Kühlschrankeffekt zum Frischhalten hat. (lacht
herzlich) Nach 35 Jahren gehe ich natürlich mit einem
lachenden und einem weinenden Auge und ich weiß, dass mich
die Tournee emotional sehr bewegen wird. Ich wollte mich aber nicht
einfach heimlich vom Eis schleichen, sondern mit einer
wunderschönen Show noch einmal mit meinen Fans, Freunden und
meiner Familie feiern. Besonders der Termin in Chemnitz war mir
wichtig, weil dort alles angefangen hat.
Sie leben mit Ihrer gesamten Familie, also Eltern
und Bruder, seit rund zwanzig Jahren in Berlin. Was verbinden Sie
noch mit Chemnitz und Sachsen?
Die Erinnerung an meine Kindheit und Dankbarkeit dafür, dass
es mir dort ermöglicht wurde, zu trainieren - vor allem durch
die Sportstätten und die Menschen um mich - wie die aus meiner
Sicht weltbeste und erfolgreichste Eiskunstlauftrainerin Jutta
Müller. Ich glaube, ich war zur rechten Zeit am richtigen Ort.
Heute habe ich noch vereinzelt Freunde in Chemnitz. Aber nach so
langer Zeit hat man sich manchmal einfach schon nach zehn Minuten
nichts mehr zu sagen, hat sich auseinander gelebt. Das Kuriose ist,
dass ich in Berlin geboren bin. Und ich fühle mich hier zu
Hause. Es ist einmalig, wie sich diese Stadt entwickelt hat.
Jedoch sind sie als gebürtige Berlinerin vor
allem in Chemnitz aufgewachsen…
Da fällt mir eine kleine Geschichte ein… (schmunzelt) -
Witzigerweise… Sonntags bin ich immer Fahrrad gefahren mit
meiner besten Freundin. Wir sind aber immer Eisessen gefahren - nun
wenigstens mit dem Fahrrad (lacht) und da gab es das beste
Vanilleeis im ganzen Gleisdreieck in Chemnitz. Und vor einiger Zeit
gehe ich doch nicht in ein Restaurant hier in Berlin Stadtmitte und
da kommt der Koch raus und sagt: "So, bei meinem Vati im
Gleisdreieck haben sie immer Vanilleeis gegessen!" Stellen sie
sich das mal vor - und der kocht jetzt hier. Das Vanilleeisrezept
vom Vati muss er natürlich jetzt in seinem Restaurant mit
anbieten. (lacht) Wie man sich doch vor seiner Vergangenheit nicht
verstecken kann (lacht herzlich) .
Sie haben in der
Pressekonferenz kurz von ihren Nichten und Neffen gesprochen. Sind
Sie eigentlich ein Familienmensch?
Ja, ich bin ein totaler Familienmensch. Es ist gut, meine Eltern
und meinen Bruder mit seiner Frau und seinen Kindern in der
Nähe zu wissen und gemeinsam Zeit verbringen zu können.
Zum Beispiel gehe ich mit meinen Nichten und Neffen auch mal privat
Eislaufen auf den Flächen in Berlin. Oder wir gehen in Familie
mal zusammen essen, kochen gemeinsam. Das genieße ich.
Eiskunstlaufen ist ihr Leben seit sie Kind gewesen
sind - hätte es eigentlich auch eine andere Sportart werden
können?
Ich erinnere mich noch, wie ich mit fünf, sechs Jahren das
erste Mal mit strahlenden Augen in der Eissporthalle am Rand stand
und wusste, das will ich machen. Und wenn ich etwas mache, dann
hundertprozentig. Aber ich hätte mir in meinen kühnsten
Träumen nicht ausmalen können, was ich dann
tatsächlich alles erreicht habe. Es kam also nichts anderes in
Frage.
Wie denken Sie über den
Eiskunstlaufnachwuchs?
Wir haben ja mit Aljona und Robin (Aljona Savcenko und Robin
Szolkowy, ebenfalls aus Chemnitz, Anm. d. Red.), die den
Eiskunstlauf hochhalten und einen sehr schönen Laufstil haben,
zwei gute Vorbilder. Eiskunstlaufen ist eine schöne Sportart,
besonders für Kinder. Für Mädchen zum Beispiel ist
es doch toll wie Prinzessinnen, in einem hübschen Kostüm,
geschminkt übers Eis zu gleiten.
Würden Sie als Trainerin arbeiten
wollen?
Das stand ehrlich gesagt nie auf meiner Wunschliste. Es ist ein
wirklich schwerer Beruf, der sehr viel Leidenschaft erfordert. Ich
sehe mich eher als Künstlerin und gebe zu, dass ich selbst
gern im Rampenlicht stehe. Tips und Hilfe können Sportler von
mir natürlich trotzdem gern haben.
Welche Zukunftspläne haben Sie
dann?
Ich möchte etwas von dem Glück zurückgeben, das ich
hatte, weil mein Körper funktioniert. Vor zwei Jahren habe ich
deshalb die Katarina-Witt-Stiftung gegründet. Ich arbeite mit
dem Behindertensportverband zusammen. Ich möchte behinderten
Kindern vor allem eine gewisse Mobilität zurückgeben.
Nach meinem Abschied wird das ein langfristiges Projekt werden. Und
das mit meiner ganzen Kraft. Außerdem wäre es ein
großer Wunsch von mir, mir Zeit zu nehmen und um die ganze
Welt zu reisen - mal ohne Schlittschuhe.
Frau Witt, wir bedanken uns herzlich für das offene,
persönliche Gespräch!





