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Im Gespräch mit Ivan Rebroff

Der Künster gab der "60plusminus" ein exklusives Interview 

 

Ivan Rebroff, der Künstler, der wie kein anderer die musikalische Seele Russlands verkörpert, gab der "60plusminus" ein exklusives Interview nach einem Konzert in Kraftsdorf. In der voll besetzten barocken Kirche erlebten die Gäste einen unvergesslichen Abend mit einem nicht nur menschlich beeindruckenden Künstler. Rebroff, der fünf Sprachen spricht und mit unzähligen Preisen geehrt wurde, studierte als Fulbright-Stipendiat Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik in Hamburg und begann danach eine internationale Opernkarriere. Er ist Mitglied in mehreren Kosakenchören, die nur aus handverlesenen Solisten bestehen.


Sie haben für Ihre Verdienste um die Völkerverständigung das Bundesverdienstkreuz bekommen…
Meine Arbeit funktioniert auf der Basis der Musik: Sie setzt ein, wenn eine Krise vorbei ist und die Leute mit wehenden Flanken und Schaum vorm Maul sich fragen, warum wir uns eigentlich die Köpfe einschlagen. Sie hören dann auf die Musik und es ist egal in welcher Sprache man singt. Das Wort 'Kalinka' zum Beispiel zu übersetzen wäre wirklich albern.

Mir hat sehr gefallen, wie scherzhaft Sie mit Ihrem Alter umgehen. Wie denken Sie denn über das Älterwerden?
Die Schummelei mit dem Alter ist eigentlich ein törichtes Ding. Das Altern gehört doch dazu genau wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter - das sind Jahreszeiten - Zeiten des Lebens. Niemand würde ernsthaft verlangen, dass ich jetzt noch den sterbenden Schwan tanze mit 75. Ich fühle mich aber innerlich jung und bin eigentlich immer noch derselbe geblieben - nur reifer. Ich habe so viel erlebt und so viel umgesetzt, da möchte ich kein Jahr vermissen.

Wie sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Ich möchte so gern noch ein bisschen älter werden, um dann 'Nathan den Weisen' zu spielen. Ich werde weiter das tun, was ich am besten kann. Ich möchte singen, Musik machen und dadurch zum Philosophieren finden. Ich will noch reifer werden und mein Wissen weitergeben.

Wenn Sie jetzt mit 75 Jahren eine Zwischenbilanz ziehen würden, was waren die Dinge in Ihrer beruflichen Karriere, auf die Sie besonders stolz sind?
Stolz, das ist so eine Sache. Was mich besonders freut das sind ein paar Stationen meines Lebens, auf die ich innerlich ein bisschen hinstrebte. Ich wollte an den bedeutenden Orten aller fünf Erdteile singen, das war immer mein Traum. In Moskau, das war das Höchste, im Tschaikowski-Saal des Bolschoitheaters. Dann in New York in der Carnegie Hall, ganz am Anfang der Karriere in Paris mit Anatevka. In Australien war ich im vorigen Jahr und habe in diesem tollen Opernhaus in Sydney gesungen. Ich habe überall meine Nase reingesteckt und mir überall einen Traum oder einen Wunsch erfüllt und darüber bin ich glücklich und auch ein bisschen stolz - doch, da haben Sie recht…

Auf Ihren vielen Reisen sind Sie sicher mit zahlreichen anderen Prominenten zusammengetroffen. Wer beeindruckte sie davon am meisten?
Im australischen Adelaide zum Beispiel traf ich einen jungen Mann, der unbedingt zum Theater wollte und jedes meiner Konzerte besuchte, nur um mich kennen zu lernen. Er gab mir seine Adresse und bat mich dringend, ihm zum Theater zu verhelfen - falls er Talent habe. Er hatte es! Aus ihm wurde später der berühmte Hollywood-Schaupieler Mel Gibson.

Sie wohnen auf der griechischen Insel Skopelos?
Ja, das stimmt. Ich bin zwar sehr viel unterwegs, aber auf Skopelos habe ich einen Ort zum Auftanken. Einen Platz, wo ich Neues vorbereite, neue Ideen und ein neues Programm, meine Memoiren weiterschreibe, denn die Dinge, die man so erlebt hat, will ich aufschreiben.

Kommen Sie bei der vielen Arbeit noch dazu, sich für Deutschland zu interessieren - für Politik, für die Gesellschaft hier?
Aber natürlich! Ich bin ein Kriegskind und ich habe den Zusammenbruch und die Zerbomberei mit einem Pappkarton in der Hand und mit meiner Mutter zusammen erlebt und durchlebt, also liegt es mir sehr am Herzen. Die Entwicklungen und Konflikte auf der Welt machen mich derzeit sehr traurig.

Wie verbringen Sie Weihnachten und den Jahreswechsel?
Das weiß ich jetzt noch nicht genau. In jedem Fall sind Weihnachten und besonders Silvester Feste, wo ich jeden Lärm hasse. Die Knallerei, das ist für mich unerträglich. Diese Feste müssen nach innen gehen, ich wünsche mir Besinnung und Einkehr. Vielleicht bin ich in Moskau, vielleicht in Griechenland - Hauptsache es ist einsam, einsam und erholsam!

Nach einer gefährlichen Bandscheibenoperation waren Sie lange an den Rollstuhl gefesselt. Hat diese Erfahrung Ihr Leben verändert?
Auf keinen Fall. Ich weiß, dass ich von meinem Schöpfer geliebt werde, es kann mir also gar nichts passieren. So sehr werde ich von Ihm geliebt, dass er mich mit dem Schönsten beschenkt hat, was ein menschliches Wesen überhaupt erhalten kann: einer außergewöhnlichen Stimme und der Fähigkeit, dieselbe gebrauchen zu dürfen. Zum Glück hat der Herrgott in die menschliche Kehle keine Bandscheibe eingebaut.

Herr Rebroff, ich danke Ihnen vielmals für Ihre Zeit!

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