Kuscheliges Plätzchen für den Winter gesucht
Von Frühjahr bis zum Herbst steht der Garten oder der Balkon
in voller Pracht. Da blühen und grünen die geliebten und
liebevoll gepflegten Blumen, Sträucher und so manche Exoten.
Nun steht der Winter vor der Tür und es bedarf eifriger
Vorbereitungen, damit die Gewächse den Winter unbeschadet
überstehen.
Wir haben uns von Experten aus Gartenbau und Pflanzenzucht Tipps geben lassen, wie die verschiedenen Pflanzen über den in diesem Jahr sicher wieder frostigen Winter gebracht werden können.
»Knollenpflanzen wie Dahlien und Gladiolen müssen über den Winter aus der Erde genommen werden. Nach dem ersten Frost, wenn das Blattwerk nicht mehr gut aussieht, schneiden Sie es ungefähr eine Hand breit über dem Boden ab. Vorsichtig wird dann die Knolle mit einem Spaten aus der Erde genommen und abgeputzt. Wenn nötig, schneiden Sie auch die feinen Wurzeln zurück.
Lagern Sie die Dahlien- und Gladiolenknollen am besten kühl und trocken im Keller oder in der Garage, wo sie keinen Frost bekommen. Im Frühjahr, ab April, können die Pflanzen wieder raus. Wenn die Knollen groß genug sind, können Sie diese auch teilen und so mehrere Gewächse erhalten.
Andere Knollenpflanzen brauchen wiederum den Winter, den Frost, zur Blüteninduktion. Die so genannten winterharten Zwiebel- und Knollenpflanzen werden im Herbst in die Erde gebracht. Dazu gehören Tulpen, Hyazinthen, Krokusse, Narzissen und einige Lilien wie die Schopflilie oder Schwertlilie. Die gesteckten Zwiebeln und Knollen können Sie vor zu starkem Frost schützen, indem Sie die Pflanzstelle mit Laub und Reisig abdecken. Hierbei rate ich davon ab, Folie zu verwenden. Dadurch werden Temperaturunterschiede vergrößert und Schwitzwasser kann entstehen, wodurch die Knollen zu feucht stehen. Wenn dann nochmals Temperaturen unter 0° C kommen, nehmen die Zwiebeln und Knollen starken Schaden.«
»Edel- und Beetrosen werden im Herbst je nach Sorte auf ungefähr 30 - 40 Zentimeter zurück geschnitten. Bei Strauchrosen werden lediglich die Triebspitzen etwas eingekürzt. Außerdem sollte das alte Laub, das auf den Beeten liegt, entfernt werden. Denn in den Triebspitzen beziehungsweise im alten Rosenlaub überwintern Pilzsporen, die den neuen Trieb im kommenden Jahr wieder mit Pilzkrankheiten wie Sternrußtau, Mehltau und Rosenrost anstecken können.
Wenn Sie die Rosen mit Erde oder Rosenmulch anhäufeln, überstehen sie den Winter gut. Hochstammrosen können vor dem Frost geschützt werden, indem die Krone mit Vlies oder Leinen eingebunden wird. Verwenden Sie aber keine Folie, denn wenn die Temperaturen tagsüber etwas höher sind, kann es sein, dass die Rose verfrüht beginnt zu treiben. In frostigen Nächten erfrieren dann die neuen Triebe und die Pflanze nimmt Schaden. Auch hier kann der Wurzelbereich durch Anhäufeln geschützt werden.
Im Frühjahr dann erfolgt der eigentliche Rückschnitt der unterschiedlichen Rosen. Eine Faustregel besagt, wenn die Forsythien beginnen zu blühen, ist die richtige Zeit. Bei Edel- und Beetrosen werden die Triebe dann je nach Sorte bis auf drei bis fünf "Augen" herunter geschnitten.
Bei Strauchrosen werden jedes Jahr immer die ältesten ein bis zwei Triebe ganz herausgenommen, sodass sich die Pflanze nach etwa vier Jahren wieder verjüngt hat. Nun kann auch die erste Düngung erfolgen und die nächste dann nach der ersten Hauptblüte bis spätestens Ende Juni. Ich empfehle speziellen Rosendünger zu verwenden, dann bekommen die Pflanzen alles, was sie benötigen.
Im fühen Herbst kann nochmals ein Kalidünger aufgebracht werden, damit die Triebe gut ausreifen und dadurch gestärkt in den Winter gehen.«
Zu den beliebtesten Pflanzen für Balkon oder Terrasse gehören die Geranien.
»Geranien sind keine winterharten Pflanzen und dürfen keinen Frost bekommen. Wer sie überwintern möchte, hat zwei Möglichkeiten: Zum einen kann man Stecklinge ziehen. Dafür schneiden Sie am besten Triebspitzen ohne Blüten mit fünf bis sechs Blättern ab. Danach werden die unteren Blätter entfernt und die Stiele in frische Erde in einem Blumentopf gesteckt. Mit einem Glas oder einer Plastikhaube können Sie die Triebspitzen abdecken, damit die Feuchtigkeit gehalten wird.
Wenn Sie den Blumentopf hell und warm zum Beispiel auf eine Fensterbank stellen, bewurzeln sich die Pflanzen neu. Nach ungefähr acht Wochen können die Zöglinge einzeln umgetopft werden. Über den restlichen Winter sollten die Jungpflanzen dann kühler stehen.
Die zweite Möglichkeit ist, die "Mutterpflanze" selbst zu überwintern. Dabei wird die Geranie bis auf ein Drittel zurückgeschnitten und kann im Keller oder in einer frostfreien Garage den Winter überdauern. Die Erde darf nicht ganz austrocknen, deshalb können Sie ein Mal im Monat auch ein wenig gießen. Aber wenn die Wurzeln zu feucht werden, faulen sie.
Im Frühjahr, ab März / April, je nach Wetterlage, können die Geranien wieder nach draußen in die Sonne. In den noch kühlen Nächten sollten sie aber wieder rein genommen werden.
Manche Pflanzen lassen sich im Kübel über den Winter bringen, zum Beispiel der Agapanthus (Schmucklilie), der Oleander oder die Bananenpflanze. Allgemein sollten diese Pflanzen vor dem Frost geschützt werden und möglichst in den Wintergarten oder in die helle Garage gebracht werden. Die Pflanzen brauchen Licht und dürfen nicht vollständig austrocknen. Aber hier gilt: weniger ist mehr. Beispielsweise verträgt der Stechapfel einen kompletten Rückschnitt und kann dann im Dunkeln stehen. Sollten die Kübel zu groß und zu schwer sein, um sie wegzutransportieren, können Sie ihn auch an einer geschützten Stelle draußen lassen.
Wichtig ist, dass das Gefäß nicht durchfriert. Stellen Sie ihn vom Boden weg, auf einen Rost, damit der Frost nicht von unten hinein kommt. Packen Sie den Kübel gut ein, zum Beispiel mit Winterjute, Polysterol oder Sie häufen eine große Schicht Laub um den Topf herum an. Wenn die Temperaturen nicht zu weit unter 0° C fallen, können die Kübelpflanzen so auch den Winter überstehen. Besser ist es aber sie rein zu nehmen.«
So mancher Pflanzenliebhaber widmet sich den Exoten - Kakteen und Sukkulenten.
»Kakteen müssen über Winter kühl und vor allem trocken stehen, am besten im ungeheizten Schlafzimmer oder im Flur. Eigentlich heißt es für Kakteen "so hell wie möglich". Da sie aber über den Winter nicht wachsen, überwintert ein Kaktus auch wunderbar auf dem Kleiderschrank.
In der Regel braucht man in der Zeit von Oktober bis März auch nicht zu gießen. Es gibt auch einige winterfeste Pflanzen wie zum Beispiel die Opuntien. Die stört die Kälte nicht, aber in unseren Breitengraden sind die Winter meistens sehr feucht und das schadet jedem Kaktus. Wenn sie feuchte "Füße" bekommen und nicht wieder trocknen, faulen die Wurzeln weg. Nässe ist immer ein Problem, deshalb empfehle ich, die Kakteen bei gefühlten Herbsttemperaturen lieber rein zu nehmen, spätestens dann im Oktober. Ähnliches gilt auch für die Sukkulenten, die lieben es auch trocken und kühl im Winter.
Nur einige Sukkulenten sind überhaupt geeignet für den Außenbereich, zum Beispiel Agaven oder Aloen. Hier sollten Sie sich im Einzelfall beraten lassen. Übrigens - wenn Sie ihre Pflanzen, insbesondere die Sukkulenten dann im Frühjahr wieder nach draußen stellen möchten, ist es besser, einen bewölkten Tag abzuwarten. Denn wenn die Pflanzen gleich wieder in der prallen Sonne stehen, können sie schon innerhalb von zwei Stunden einen "Sonnenbrand" bekommen. Ein solcher Schaden braucht bis zu zwei Jahren, um wieder behoben zu sein.«
Wir danken unseren Experten für ihre Tipps und Ratschläge. Gut vorbereitet kann nun der Winter kommen. - Und nach der "kalten Jahreszeit" können sich Pflanzenfreunde auf das frische Grün und die erblühende Pracht freuen.
