Die "WundeNheiler"
Galt bislang die Eigenhaut-Transplantation, durch die Entnahme
von Haut des eigenen Körpers beziehungsweise
Fremdtransplantation, als Durchbruch in der Medizin, so muss die
Geschichte der Wund(en)heilung jetzt neu geschrieben werden. Die
neuste und vor allem Narbenfreie!!! Technologie ist bereits im
Einsatz und heißt EpiDex. - Die eigene Haut, hergestellt aus
einer körpereigenen Ressource - unseren Haaren! Die
Produzenten und Geschäftsführer des ersten deutschen
"Hautzüchtungsunternehmens", jetzt im "KIDS und Co"
Gespräch: Sabine Krüger und Dr. Andreas Emmendörffer
von "euroderm biotech &
aesthetics".

Herr Dr. Emmendörffer, was bedeutet Ihr Firmenname
euroderm?
"Der Name sagt schon, dass wir uns mit Haut
befassen, wir züchten menschliche Haut. Entwickeln Produkte,
die zum einen geeignet sind bestimme Arten von Wunden, z.B.
chronische Wunden aber auch Brandwunden, zu behandeln, stellen sie
zum anderen auch her und verkaufen sie. In dem anderen Bereich, in
dem wir ebenfalls tätig sind, entwickeln wir Testmodelle,
sogenannte Kits, die geeignet sind, um Prüfungen
durchzuführen. Dies ist eine echte Alternative zu
Tierversuchen. Und der Name euroderm - Nun, Derm… wegen der
Haut und Euro, nein, nicht wegen des Geldes. Wir wollten gleich von
vornherein international tätig sein und dies entsprechend auch
im Namen zum Ausdruck bringen. Bisher sind wir die einzigen in
Deutschland die Haut herstellen. Regenerative Medizin ist in aller
Munde - da möchten wir in diesem Gebiet - im Bereich Haut,
Marktführer in Europa sein."
Wie kommt man zu solch einer, nun ja, phantastischen
Technologie und welche Bedeutung hat sie?
Dr.
Emmendörffer: "Wir haben die Idee von zwei Schweizer Erfindern
übernommen. Ihre Untersuchungen haben ergeben, dass
verschiedene Zelltypen an unseren Haarwurzeln sitzen, also in der
Verdickung des Haares. Und unter anderem sitzen da auch die Zellen,
die wichtig sind um wieder Haut aufzubauen. Grundlage war die
Überlegung, dass irgendwo ja die Zellen herkommen müssen,
mit denen wir ständig unsere Haut wieder neu aufbauen. Die
Erkenntnis war, dass dies bestimmte Regionen in der Haarwurzel
sind. Nach intensiver Weiterentwicklung entstand daraus dann ein
Produkt, das EpiDex. Das heißt, dass man nun Hauttransplantat
aus den eigenen Haarzellen gewinnen, herstellen kann. Klarer
Vorteil ist natürlich, dass es relativ einfach ist, an das
Ausgangsmaterial, also an die Zellen heranzukommen, indem ich mir
Haare rauszupfe. Und das ist natürlich ganz angenehm für
die betroffenen Patienten, dass die jetzt keine bisher dafür
notwendigen Operationen über sich ergehen lassen müssen.
Also dass man nicht eine zweite Wunde setzen muss, um die erste zu
schließen und man plötzliche zwei Problemstellen hat. -
Dass das Ganze ambulant durchführbar ist, dass es nahezu
schmerzfrei ist. Das besondere ist, dass wir wirklich Stammzellen
verwenden, sogenannte adulte Stammzellen. Dass wir also wirklich
körpereigene Zellen verwerten und daraus für den
Patienten eigene Haut herstellen."
Reicht ein einziges Haar?
Dr.
Emmendörffer: "Nein, es gibt eine Rechung, für wieviel
Fläche man wie viele Haare benötigt. Man kann davon
ausgehen: für 10 Quadratzentimeter Wundfläche, für
die wir entsprechend große Hauttransplantate herstellen,
benötigen wir 50 Haare. Man kann sagen für 1
Quadratzentimeter Haut brauchen wir im Schnitt 3 Haare."
Kann man sich Verjüngen mit der eigenen
Haut?
Dr. Emmendörffer: (schmunzelt…) "Man
kann sich auf jeden Fall "verjüngen" in dem Sinne, dass
man sich die Altersflecken wegmachen lässt - mit einem Laser
die Stellen entsprechend beim Schönheitschirurgen freilegt und
dort diese Haut aufträgt. Es gibt bereits erste
Schönheitschirurgen, die das Verfahren einsetzen."
Wie lange dauert es, bis die Haut nach der
Transplantation richtig anwächst?
Dr. Emmendörffer: "Das geschieht in der Regel zwischen 9 und
18 Tagen. Der Wundschmerz lässt nach oder ist nicht mehr da.
Wenn die Haut "angeht" dann hat der Patient auch keine
Wundschmerzen mehr."
Haut ist ja nicht gleich Haut - wie kommt es, dass die
Hautplättchen egal ob heller oder dunkler Hauttyp
zunächst einheitlich aussehen, später dann aber die
gleichen Pigmente wie die der ursprünglichen Haut
aufweisen?
Dr. Emmendörffer: "Die
pigmentbildenden Zellen wachsen später hinein, sie wandern
hinein. Die Zellkultur die wir auftragen ist nur die normale
Epidermis. Aber wir arbeiten auch daran, dass wir die anderen
Zellen, die den Unterschied machen, auch hineinbekommen. Wir wissen
schon wie's aussehen soll, haben aber das Produkt noch nicht am
Markt."
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der
Körper die eigene Haut abstößt?
Dr. Emmendörffer: "In diesem Sinne gibt es das gar nicht. Bei
akuten Wunden gab es bisher nie ein Problem. Bei den großen
Wunden oder bei denen, die infiziert sind oder der Wundgrund so
ist, dass die Patienten bereits 20 Jahre mit dem Problem zu tun
haben, da haben wir Erfolge von etwa 80%. Das sind dann Faktoren,
bei denen die Grunderkrankung nicht richtig therapiert ist. Wir
können dann die Wunde schließen, die Infektionsgefahr
reduzieren, Schmerzen lindern und Lebensqualität
erhöhen."
Ist das mit der Pigmentierung bei der Verwendung von
Leichenhaut auch der Fall?
S. Krüger: "Leichenhaut
wird nie anwachsen bei den Patienten. Weil im Prinzip nur eigene
Haut nicht abgestoßen wird. Somit wachsen dort auch keine
Pigmentzellen hinein."
Kann man statt seiner eigenen gezüchteten Haut, die
gezüchtete Haut eines anderen Menschen zur Transplantation
nutzen?
Dr. Emmendörffer: "Wenn man fremde Haut
nimmt - also nicht die des jeweiligen Patienten - wird sie
abgestoßen. Das wäre nur eine Lösung für einen
Zeitraum von 2-4 Wochen. Dann wird die fremde Haut vom Immunsystem
abgestoßen und zerstört. Man hat jedoch vielleicht
dadurch zellinterne Faktoren frei gesetzt um die eigene
Hautfunktion anzuregen, aber die fremde Haut würde nie weiter
existieren."
Wer profitiert von der neuen
Technologie?
Dr. Emmendörffer: "Es gibt in
Deutschland 4 Millionen Menschen, die davon profitieren
können, 4 Millionen mit chronischen Wunden. Neben den
Krampfadern ist Diabetes Typ 1 eine Haupterkrankung in deren
weiterem Verlauf man chronische Wunden bekommen kann. Für die
ist das eine geeignete Therapie. Dazu kommen dann rund 8 Tausend
Menschen mit Brandverletzungen, die jährlich anfallen. Bei
Verbrennungen ist es so, dass es oftmals ein kosmetisches Problem
wird. Da hatten wir auch gerade einen akuten Fall bei einem kleinen
Patienten. Das eben diese Haut, die zunächst erst einmal
verpflanzt wird - woher die auch immer kommen mag - über die
Zeit eben nicht mitwächst. - Oder dass durch operative
Hautverpflanzung - entweder von einer anderen Stelle des eigenen
Körpers oder mittels eines temporären Hautersatzes, z.B.
in Form von Leichenhaut, erst mal einfach die Wunde abgedeckt wird,
die durch die Verbrennung entstanden ist."
S. Krüger: "Ich kann mich da noch an eine Dame aus Chemnitz erinnern, die als Kind eine Verbrennung hatte. Sie ist bei uns Patientin geworden, da war sie 30. Die Haut auf der alten Wunde ist einfach nicht mitgewachsen und riss immer wieder ein - die eigene gezüchtete Haut wuchs hingegen prima an."
Welche Wege führen zu Ihnen?
S.
Krüger: "Im Grunde sind wir bundesweit tätig. Wir sind
jedoch noch eingeschränkt, weil wir in Deutschland
abhängig sind von der Kostenübernahmesituation der
Krankenkassen. Bei uns sind die Gesellschafter unterwegs und
verkaufen die Haut. Das heißt, wir verkaufen sie in sofern,
dass wir sie aktiv bei den Ärzten bewerben, überwiegend
an den Unikliniken, wo eine entsprechende Ambulanz für die
Patienten zur Nachbetreuung zur Verfügung steht. Dort
muß man dann auch die Kostenübernahme klären. Das
heißt, zahlt der Patient oder zahlt die
Krankenkasse."
Aber es sind dann sicher vor allem ästhetische
Gründe, die Patienten zu Ihnen kommen lassen, trotz dass die
meisten Krankenkassen nicht zahlen… Mit wie viel Geld muss
man für eine Behandlung rechnen?
Dr.
Emmendörffer: "2500 EURO für 10 Quadratzentimeter - und
für jede weiteren 10 Quadratzentimeter kommen 500 Euro dazu.
Der hohe personelle Aufwand den wir haben um den gesetzlichen
Vorschriften zu genügen - das kostet viel."
Sabine Krüger: "Das ist, weil wir nicht auf Vorrat produzieren können, sondern individuell. Es ist relativ egal, ob viel oder wenig produziert wird. Ein fester Gesamtaufwand pro Patient ist gegeben."
Sie sind kein Leipziger - Warum wählten Sie dennoch
Sachsen als Standort?
Dr. Emmendörffer: "Hier ist
das Thema regenerative Medizin, neben Dresden und Berlin, sehr
stark vertreten. Insbesondere hat uns die Stadt Leipzig
unterstützt, beim Start dann auch die Sparkassen mit dem Start
up - Wettbewerb, dem Businessplan-Wettbewerb, dem
future-sax-Wettbewerb - alles Dinge, wodurch man auch mal ein
Feedback bekommt zum Geschäftsmodell. All diese Wettbewerbe
haben wir hier gewonnen, was uns auch bestärkt hat in Leipzig
zu bleiben."
Die Frage, in Vertretung für die Menschen gestellt,
die nicht so viel Haarschmuck auf dem Haupte tragen… kann
man denn grundsätzlich aus allen Haaren des Körpers Haut
züchten, z.B. den Wimpern?
(Lachen…) S.
Krüger: "Mit den Wimpern haben wir es noch nicht probiert,
aber sonst geht das schon."
Dr. Emmendörffer: "Eine der wichtigsten Botschaften in punkto
Haaren ist: sie wachsen nach dem Zupfen wieder nach! Wenn man sagt,
wir zupfen für eine Großwunde 100 oder 200 Haare, haben
viele Leute Angst, sie hätten anschließend eine Glatze.
Wir können jedoch alle beruhigen - es fällt garantiert
niemandem auf, wenn diese geringe Menge Haare auf dem Schopf
fehlt!"
Sind Euroderm die neuen Wunderheiler?
Dr. Emmendörffer: (herzliches Lachen) "Lieber Wundenheiler.
Die Technologie ist einfach aber auch faszinierend und spannend. -
Also in ihrer Einfachheit ist sie überzeugend."
Frau Krüger, Herr Dr. Emmendörffer vielen Dank
für das aufklärende Gespräch und Ihnen weiterhin
viel Erfolg in unser aller Interesse!





