Lernen, Verstehen, Fördern
»Prävention bedeutet, umzudenken! - Erkennen
und reagieren, bevor es "weh tut". Dazu braucht es ein
bestimmtes Bewusstsein. Prävention ist als Chance zu
begreifen, nicht als Bedrohung.«
Dr. Susanne Wiese
»Ich will später mal Kunstlehrerin werden«, strahlt Caroline. Und um ehrlich zu sein - ihre ehemalige Grundschullehrerin hat die Zehnjährige schon längst mit ihrem Talent verzaubert. Ganz verzückt zeigt sich Gerlind Mandisloh von einem winzigen, gerade mal einen Zentimeter kleinen und filigran geformten Pudel aus Knetmasse: »Jede noch so kleine Feinheit hat Caroline an dem winzigen Kunstwerk herausgearbeitet.«
Doch es ist nicht nur das allein, was Carolines pädagogische Begleiterin am IpD mit Stolz erfüllt, wenn sie von dem Mädchen mit dem blonden Wuschelkopf spricht. Vielmehr ist sie erstaunt, wie das früher sonst so unauffällige Kind in den vergangenen Monaten sehr über sich selbst hinausgewachsen ist, nun vor Worten beinah überschäumt und herzergreifend lacht. - Und das, wo doch der Weg bis hierher so schwer für Caroline war. »Oftmals hat sie im Unterricht verträumt gewirkt. Man wusste nicht recht, bereitet ihr der Lehrstoff Schwierigkeiten oder beschäftigt sie etwas Anderes…«, erinnert sich Gerlind Mandisloh.
Dass tatsächlich etwas nicht recht stimmte, stellte sich erst heraus, als Caroline bereits in die zweite Klasse ging. Zu dieser Zeit zeigten sich bei der damals Achtjährigen erste konkrete Schwierigkeiten. »Ich hatte zunächst selbst lange gebraucht, um zu verstehen, was mit dem Mädchen los war«, gesteht die Pädagogin. Im Institut für pädagogische Diagnostik (IpD) in Erfurt wurde schließlich die Diagnose gestellt: Caroline hat Dyskalkulie - eine Rechenschwäche, die es Kindern wie Caroline abverlangt, anders lernen zu müssen, um Zahlen und den Umgang mit ihnen verstehen zu können.
Dabei wollte es im Falle von Caroline auch eher ein glücklicher Umstand, dass die Schülerin mit ihrem Problem im deutschlandweit, in dieser Form, einzigartigen Institut für frühkindliche Lernentwicklungsförderung landen sollte. Gerlind Mandisloh gehört derzeit nämlich zufällig den auserwählten 12 Thüringer Lehrerinnen an, die im Ergebnis eines Bewerbungsverfahrens am Thüringer Kultusministerium hier in den Genuss einer besonderen Weiterbildung kommen dürfen. Denn im Institut für pädagogische Diagnostik wird Kindern nicht nur in Einzelsitzungen eine intensive und individuelle Förderung geboten. Lehrerinnen von Grundschulen werden hier auch auf einzigartige Weise in der praktischen Arbeit mit den kleinen Klienten und deren Eltern befähigt, kindliche Bedürfnisse zu erkennen und gezielt darauf zu reagieren. »Sie bekommen durch die angeleitete Praxis ein Gespür dafür, was ein Kind braucht«, erklärt Institutsleiterin Dr. Susanne Wiese und spricht dabei über die Besonderheit der Weiterbildungsmaßnahme. »Carolines Lehrerin überträgt das hier erworbene Können durch ihr differenziertes unterrichtliches Handeln in ihre Klasse und in ihre Schule. So kommen auch ganz andere Kinder mit Lernbesonderheiten zu einer auf sie speziell abgestimmten Lehr- und Lernweise.«
Das Wichtigste, und darin unterscheidet sich das Erfurter Institut vor allem von anderen pädagogischen Lehreinrichtungen ist, dass hier Wert auf Prävention gelegt wird! Eine vorbeugende Pädagogik soll allen Kindern die Möglichkeit zur optimalen Entfaltung ihrer Lernpotentiale bieten und diese fördern. Eltern werden als wichtige Lernbegleiter ihres Kindes ganz besonders einbezogen. Sie erfahren etwas über die allgemeine kindliche Lernentwicklung und über Risiken, sie lernen aber auch die Bedürfnisse ihrer Kinder zu verstehen, sie zu akzeptieren und ihre Kinder selbst auch zu fördern. Wen wundert es also, dass selbst junge Eltern bereits mit ihren Babys zur Beratung an das Institut für pädagogische Diagnostik kommen. -Junge Eltern werden in ihren Intuitionen gestärkt, ihr Baby besser zu verstehen. Das entlastet den Start in die neue und verantwortungsvolle Rolle als Eltern oft schon nach wenigen Sitzungen und tut den Eltern und dem Baby gut. Die "Sorgenkinder" sind aber meist schon älter und sie werden leider viel zu oft erst dann vorgestellt, wenn das Kind schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen ist und sich bereits ausgeprägte Lernschwierigkeiten eingestellt haben. Die kleinen Klienten haben dabei nicht selten schon eine Tortour "unerträglicher" Lernerfahrungen hinter sich und mussten viele "Verletzungen" einstecken. »Wenn man zu lange wartet, bis man sich geeignete Hilfen sucht, wird es immer "schmerzhaft", teuer und die Erfolge sind wesentlich geringer.«, weiß Dr. Wiese aus ihrer Praxiserfahrung.
Jedes Kind, ganz gleich, ob es eine Lese-Rechtschreibschwäche, ein AD(H)S, Hyperaktivität oder Dyskalkulie zu verkraften hat, ob es eine Behinderung kompensieren muss oder ob es als besonders begabt gilt, hat ein Recht darauf, mit seiner Art zu lernen erkannt und gefördert zu werden. Wen wundert es, dass selbst Eltern aus den benachbarten Bundesländern dem guten Ruf des Instituts bis nach Erfurt folgen. Für die optimale Förderung ihres Kindes ist den meisten von ihnen kein Weg zu weit! Der grundlegende Ansatz des Institutes ist der: Jedes Kind soll zur richtigen Zeit die richtigen Anregungen erhalten, jedes Kind hat ganz individuelle Potentiale, die es zu entdecken und zu fördern gilt. »Leider geraten viele Kinder durch hohe Leistungserwartungen der Erwachsenen unter Druck.«, erklärt Dr. Susanne Wiese: »Die Kindheit und die Rolle des Kindes haben sich geändert. Heute ist ein Kind sehr oft die Krönung einer Beziehung. Das bedeutet, dass ganz besondere Erwartungen an dieses Kind gestellt werden. Es soll nicht nur süß, es soll intelligent und gesund sein. Und wenn die Erwartungen sich nicht alle erfüllen, macht sich Angst breit. - Auch Eltern geraten dadurch nicht selten unter enormen Druck.
»Bei meinen beiden Großen gab es zuvor nie Probleme«, reflektiert Barbara Pätzold. »Es ist schwer sich als Mutter einzugestehen, dass bei einem Kind etwas anders ist. Wir haben bereits bei der Einschulung von Caroline gemerkt, sie ist nicht so wie die anderen. Sie war sehr sensibel. Dennoch haben sich die Lernschwierigkeiten bei ihr im ersten Schuljahr nicht gleich gezeigt. Ich habe sehr lange gebraucht, das zu verstehen. Es war anfangs sehr schwer sich damit abzufinden, dass Caroline solche Schwierigkeiten beim Lernen hat.« Wichtiger noch als Carolines besondere und auf sie zugeschnittene Förderung war es, ihre inzwischen sehr ausgeprägte Angst vor der Schule abzubauen. »Caroline hatte eine panische Angst vor Mathematik. Sie hatte bemerkt, hier ist sie anders als die anderen Kinder ihrer Klasse. Sie musste immer mehr arbeiten und der Erfolg blieb meist aus. »Unser Ansatz war zunächst, Carolines Angst abzubauen. Erst dann machte es Sinn, den Förderansatz in ihre Schule zu übertragen.«, erklärt Dr. Susanne Wiese.
Seither ist ein gutes gemeinsames Jahr im IpD mit viel intensiver Arbeit, Mühe, aber auch mit gemeinsamer Freude über die ersten Erfolge in der Therapie und später auch in der Schule vergangen. Gemeinsam mit Gerlind Mandisloh, ihrer Lehrerin am IpD, und mit ihrer Mutter hat Caroline viel gelernt. So ist sie unter anderem auf einer begehbaren Uhr von einer Stunde zur nächsten gelaufen und hat sich so das Verständnis für den 24-Stunden-Rhythmus erarbeitet, sie stand in einem begehbaren Würfel, welcher ihr mit viel Spaß das Verständnis für räumliche Beziehungen erleichterte und sie ist auf einem riesigen Hunderterfeld von einem Zehner zum nächsten gesprungen.
»Es geht uns darum, Bedürfnisse
festzustellen und nicht nach Defiziten zu suchen«
Dr. Susanne Wiese
Ohne Leistungsdruck, mit genügend Zeit und einer optimalen Förderung ihrer Bedürfnisse hat die 10jährige heute sogar ein bisschen Spaß am Rechnen gefunden. Mitten im Interview platzte es einfach aus Caroline freudig heraus: »Ich habe kürzlich eine Aufgabe gestellt bekommen und sie fehlerfrei und ganz alleine gelöst!« Was das heißt, wissen alle Beteiligten nur zu gut. Carolines Mutter gesteht glücklich: »Caroline ist viel aufgeschlossener, auch selbstbewusster geworden. Sie hat nun keine Schulangst mehr und ihre Hausaufgaben macht sie inzwischen auch viel selbstständiger. Ich muss nicht mehr jeden Schritt erklären.«
Derzeit ist Schülerin noch vom Zensurengeben in ihrer Schule befreit. Eine Sonderregelung in einem solchen Fall dient der Abfederung, um Kindern die Möglichkeit zu geben, sich in Ruhe auf ihre Situation einzustellen, damit umgehen zu lernen. - Sich damit abfinden und besondere Bedürfnisse bei ihrem Kind akzeptieren müssen aber ebenso die Eltern. Dabei haben Mütter und Väter meist schon eine Ahnung, dass etwas nicht stimmt, weiß man im Institut zu berichten. - Und mit dieser landen sie in glücklichen Fällen vielleicht in Frau Dr. Wieses fürsorglichen Händen. »Kinder verfügen über ihr eigenes Frühwarnsystem. Jedes Kind zeigt es auf seine Weise, wenn es Hilfe braucht. Sie meiden bestimmte Dinge, weil sie Angst haben, zeigen, dass sie etwas nicht wollen, schlafen schlecht oder sie haben ohne organische Ursache Bauchschmerzen. Die Signale der Kinder zu erkennen kann man lernen. Am Institut für pädagogische Diagnostik werden Eltern und auch Lehrerinnen dafür sensibilisiert, ihrem 7. Sinn zu trauen, damit Kinder rechtzeitig Hilfe bekommen.«
Carolin grübelt gerade: »…oder ich mache eine Tierpension auf - oder ich werde Hundefrisör…« »Ich meine, Du kannst sogar Tierärztin werden!« ist die passende Antwort darauf von Frau Dr. Susanne Wiese. - Zustimmendes Nicken von allen Seiten… und Carolin sagt, sie könne es sich gut vorstellen!
Das Interview:
Prävention, statt nachbehandeln
Das "Institut für Pädagogische Diagnostik" (IpD) besteht seit dem Jahre 2004 in Erfurt. Hier wird ein deutschlandweit einzigartiges breites Spektrum zur Förderung kindlicher Lernentwicklung angeboten - von der Lernförderung und Schuleingangsberatung bis hin zur Montessoritherapie für Kinder mit Behinderung. Ein wichtiger Teilbereich ist die Lehrerfortbildung insbesondere zur Verbesserung der unterrichtlichen Förderung für Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie. Das Institut bietet bedürfnisorientierte Förderung für Kinder im Alter von 0 bis 12 Jahren an. Zurzeit werden circa 120 Kinder betreut. "KIDS und Co" hat mit der Leiterin des IpD Frau Dr. Susanne Wiese über ihre spannende Arbeit mit den kleinen und großen Klienten gesprochen.
Frau Dr. Wiese, Sie bieten Lernförderung
bereits für Kinder ab 0 Jahren an. Je früher desto
besser…?
»Das IPD ist spezialisiert auf den Elementar- und
Primarbereich, auf Prävention in der frühkindlichen
Bildung und Erziehung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder
mit zwölf, dreizehn Jahren, die zu mir kommen, schon so viele
negative Erlebnisse beim Lernen und in der Schule verarbeiten
mussten. Da sind die meisten Messen schon gesungen und die Freude
am Lernen ist weg. Hingegen stehen im frühkindlichen Alter
noch viele Türen offen. Hier sind viele Möglichkeiten
gegeben, sowohl für die Prävention als auch für die
Intervention. Für mich ist das Leitmotiv bei der Arbeit,
kindliches Lernen zu verstehen und geeignet anzuregen.«
Wodurch unterscheidet sich das IpD von anderen
Lernfördereinrichtungen?
»Unser großer Vorteil ist, dass wir ganz individuell
mit den Kindern und Eltern arbeiten. Das heißt, es gibt nur
Einzelbetreuung für das Kind und seine Bezugspersonen. Selbst
bei Kleingruppen entstehen oftmals erzwungene Settings. Wenn sich
z. B. die Mütter nicht verstehen, ziehen sie sich zurück.
Deshalb gibt es bei uns fast nur Einzelsitzungen. Die Eltern und
das Kind haben die gesamte Zeit und Interaktion mit den Profis
für sich. So können sie ungezwungen über die Dinge
reden, die sie bedrücken.«
Wer kommt zu Ihnen?
»Wir beraten nicht nur Eltern und Kinder in
Problemsituationen. Zu uns kommen Eltern, die eine gute
Lernentwicklung für ihr Kind wollen. Es sind Eltern, aber auch
Pädagogen, die Antworten auf ihre Fragen suchen. Zum Beispiel
kommen Eltern mit ihren Babys, die Informationen zur kindlichen
Lernentwicklung suchen. Sie wollen ihr Kind fördern und die
wichtigsten Zeitfenster nicht verpassen. Und es kommen durchaus
auch Eltern zu mir, die die Bedürfnisse ihrer Kinder falsch
einschätzen. Junge Eltern fühlen sich oft unsicher. Wenn
das Kind mit einem Jahr nicht läuft und mit 2 Ω Jahren
nicht perfekt spricht, dann kriegen manche Panik. Hier lernen sie
wieder auf ihre Intuition zu vertrauen. Früher lernte man
vieles von Eltern und den Großeltern. Heute stellt kaum noch
jemand Fragen an sie. Auch die Mutterrolle hat sich geändert.
Frauen müssen nicht nur die Kinder versorgen, sondern den
Haushalt und ihren Beruf unter einen Hut bekommen und eine gute
Ehefrau sein. In allen Bereichen müssen sie sich durchsetzen
und sich auf vielen Ebenen behaupten. Wir bieten Unterstützung
und geben Anregungen zur Strukturierung des Alltags. Über die
Arbeit mit den Kindern hinaus bieten wir auch den Eltern Hilfen.
Die Palette reicht deshalb von Kindern, deren Eltern selbst
Analphabeten sind, bis hin zur Unterstützung von Migranten.
Ich glaube aber nicht, dass ich Eltern erreiche, denen nichts an
ihren Kindern liegt.
Sie beziehen die Eltern sehr intensiv in Ihrer
Arbeit mit ein...
»Ja. In der Zeit der frühkindlichen Lernentwicklung sind
vor allem die erwachsenen Bezugspersonen dafür entscheidend,
welche Lern- und Lebensbedingungen ein Kind vorfindet. Sehr oft ist
die Umgebung daran beteiligt, wenn es beim Kind
Lernentwicklungsprobleme gibt. Deshalb richte ich mich ebenso an
die erwachsenen Bezugspersonen. Das sind natürlich zuerst die
Eltern, aber auch die ständigen Bezugspersonen aus
Kindergärten und Schulen. Diese Arbeit ist ganz besonders
wichtig, denn sie ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit meiner
Arbeit.«
Warum sind diese Bezugspersonen so
wichtig?
»Es geht dabei um Risikoerkennung und Sensibilisierung.
Kinder geben Signale. Wenn man Erwachsene darauf sensibilisiert,
lassen sich oft schon im Kleinkindalter Schwächen erkennen und
es kann frühzeitig Problemen vorgebeugt werden. Eltern
profitieren, wenn sie die kindlichen Impulse verstehen und lernen
in die Elternrolle rein zu wachsen. Ich möchte sie ermutigen,
auf ihre Intuition zu vertrauen. Gerade bei kindlicher
Lernentwicklung ist es wichtig, frühzeitig zu reagieren und
nicht darauf zu vertrauen, dass sich die Entwicklung von alleine
regelt. Im IPD sind die Erwachsenen immer mit einbezogen. Sie haben
eine aktive Rolle. Wenn die Eltern zuschauen und permanent dabei
sind und Fragen stellen können, dann wird auch bei ihnen das
Verstehen für die Bedürfnisse des Kindes gestärkt.
Wir helfen Eltern eine realistische, keine euphorische Einstellung
zu bekommen. Sie lernen ihre Kinder zu stärken, ihnen was
zuzutrauen und auch sie zu schützen.«
Welche Rolle spielen Lehrer und
Erzieher?
»Lehrer und Erzieher sind wichtig für die
Prävention. Wir arbeiten mit 12 Thüringer Lehrern im
Rahmen einer Weiterbildung, bei der sie sensibilisiert werden,
frühzeitig Risiken für die Lernentwicklung zu erkennen
und gezielt darauf zu reagieren. Die Weiterbildung findet im Rahmen
der praktischen Arbeit statt. Das heißt, die Lehrer lernen am
Kind. Meine Erfahrung zeigt, dass sie dann eine Art siebten Sinn
entwickeln. Mein Ziel ist aber auch, Netzwerke zwischen Lehrern zu
bilden, die bedürfnisorientiert unterrichten und die ihr
Wissen an ihre Kollegen weitergeben können. So entsteht eine
Art Schneeballeffekt, der schließlich allen Kindern
nützt.«
Was ist der Vorteil präventiver
Arbeit?
»In Deutschland sind die Sozialsysteme in den meisten
Fällen so eingerichtet, dass ein negativer Zustand erst
erreicht sein muss, bevor Maßnahmen ergriffen werden. Gerade
in der frühkindlichen Entwicklung besteht ein großer
Bedarf umzudenken. Das sollte als Chance und nicht als Bedrohung
gesehen werden. Bei Kindern, bei denen in irgendeiner Weise Risiken
bestehen, kann durch die Prävention einer Ausprägung von
Problemen sehr gut vorgebeugt werden. Das betrifft
Lernschwierigkeiten ebenso wie überdurchschnittliche
Intelligenz. Die Begleitung am IpD ist zeitlich begrenzt, weil wir
die Bezugspersonen des Umfeldes intensiv einbinden.
Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit vor?
»Es ist immer so, dass hier ein Erstgespräch
geführt wird. Hier haben die Eltern die Möglichkeit, alle
ihre Fragen und ihre Unsicherheiten zu thematisieren. Im Anschluss
daran wird mit den Eltern das weitere Vorgehen abgestimmt. Es wird
eine Strategie gemeinsam entwickelt. Dann beginnt die Arbeit mit
dem Kind. Wir gehen so vor, dass für jedes Kind eine
vorbereitete Umgebung vorbereitet wird. Dazu nutzen wir eine
Vielzahl von Lernmaterialien für die Kinder. Wenn
Verstehensprobleme auftreten, werden zusätzlich noch
didaktische Hilfen maßgeschneidert angeboten. Die Sitzungen
sind ganz individuell dem einzelnen Kind angepasst.«
Mit welchen Kosten müssen Eltern rechnen
für die Förderung Ihrer Kinder am IpD?
»Alle Leistungen des IpD sind Wahlleistungen, für die
Eltern keine Überweisung benötigen und die privat zu
finanzieren sind. Im Rahmen der Lehrerfortbildung gibt es jedoch im
Moment die Möglichkeit einer kostenfreien Begleitung für
Eltern. Außerdem besteht eine Kooperation mit der
Siemens-Betriebskrankenkasse, die nun als erste gesetzliche
Krankenkasse die Leistung ihren Versicherten am IpD fördert.
Wenn das Land Thüringen die Lehrerfortbildung am IpD beendet,
bedeutet das leider das Aus für die kostenlose Betreuung.
Überwiegend werden Projekte wie dieses nur für zwei Jahre
gefördert. Allerdings ist dem Land Thüringen durch die
neue Art der praxisgestützten Weiterbildung am IpD schon nach
einem Jahr bei Abzug aller Kosten eine Rendite von 69.000 Euro
entstanden. Insbesondere unsere präventive Arbeit bringt viele
Vorteile. Es ist viel kostengünstiger, eine Lernschwäche
frühzeitig zu erkennen und negativen Auswirkungen vorzubeugen,
als sie im Nachhinein über Jahre hinweg zu therapieren.
Trotzdem ist nicht geklärt, wie es weiter geht. Wir sind ein
privates Institut und können die staatliche Finanzierung
für Bildung nicht ersetzen. Mein Wunsch ist es, dass ein Land
wie Thüringen es ermöglicht, Leistungsangebote wie die
des IpD grundsätzlich jedem Kind zugänglich zu
machen.«
Das IpD besteht seit zwei Jahren. Was sind
für Sie positive Erfahrungen?
»Für viele Kinder konnte eine frühe Auslese in
anregungsarme Gruppen abgewendet werden und es geht ihnen gut.
Teilweise gehen sie sogar auf das Gymnasium. Wir erleben hier, wie
diese Kinder wieder Freude am Lernen gewinnen, wie sie neugierig
werden und arbeiten, bis ihnen die Köpfe glühen. Zu den
schönen Erfahrungen gehört es auch zu erleben, wie stolz
Kinder sind, wenn sie Aufgaben aus eigener Kraft bewältigen
und daraus Mut und Zuversicht gewinnen. Zufriedene Eltern und
Kinder, die bei ihrer Art zu lernen verstanden und gefördert
werden, das ist die beste Motivation für unsere
Arbeit.«
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Experten, dann wenden Sie sich an die "KIDS und Co" Redaktion:
redaktion@kidsundco-verlag.de





