Hoffnungen schenken, Lächeln ernten
Müllablagerungen. Der Pasig – ein Fluss, in den täglich ungefiltertes Abwasser, Hausmüll und Industrieabfälle entsorgt werden. Kinder, die im Dreck baden. Slumverhältnisse in der philippinischen Hauptstadt Manila. Die 1,7 Millionen-Einwohner-Stadt ist ein Ort der extremen Unterschiede. 500 Meter Luftlinie von den Häusern der Oberschicht, leben die Armen ohne Adresse und Hausnummer.
Einmal im Jahr fliegt eine Ärztegruppe nach Manila, um an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte leidende Kinder zu operieren. Die Organisation lebt ihren Namen: „Operation Restore Hope“ (wieder Hoffnung geben). Durch kostenlose Operationen will der in Sydney gegründete Verein entstellten Kindern zu neuem Lebensmut verhelfen. Geschätzte 200.000 Menschen sind betroffen. Sie haben große Probleme bei der Nahrungsaufnahme, sind dadurch oft minderwüchsig. Auch sprachliche Probleme treten auf, da der Gaumen als Resonanzboden fehlt. Hänselei und gesellschaftlicher Ausschluss sind die Folgen. Wird der Gendefekt im Kleinkindalter behoben, kann die sprachliche Entwicklung seinen gewohnten Lauf nehmen. Bei Älteren ist es dazu oftmals schon zu spät.
Auch der Leipziger Chirurg, Dr. Christopher Wachsmuth, sitzt mit Medizinern aus der ganzen Welt im Flugzeug, wenn es wieder nach Manila geht. »Als ich das erste Mal philippinischen Boden betrat und die vorherrschenden Verhältnisse sah, musste ich schlucken. Drastische Bilder haben sich in meinem Kopf eingeprägt. Nun ist es wie ein Virus der mich nicht mehr loslässt. Ich komme Jahr für Jahr zurück, um weiteren Jungen und Mädchen zu helfen«, beschreibt der Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie seine ersten Eindrücke.
Der Tagesablauf der ehrenamtlichen Helfer ist anstrengend und nervenaufreibend. Die Woche in Manila beginnt
mit dem Aufbau der Stationen und der Logistik. Der Chirurg erinnert sich an die Anfänge: »In den letzten Jahren hat sich der Standard im OP schon um einiges gebessert. Die Geräte, die vorzufinden sind, haben wir alle mitgebracht. Ich erinnere mich noch an die Anfänge, wo ich im OP-Saal durch einen Riss in der Wand auf den Autoverkehr oder durch einen anderen ins Stockwerk unter mir blicken konnte.« Nach dem Aufbau folgt ein „Vorscreening“. Vom Chirurg bis zum Anästhesist schaut sich jeder die Patienten an und entscheidet, wer operiert wird und wen sie auf nächstes Jahr vertrösten müssen. Es wird eine Prioritätenliste erstellt, bei der Kinder teilweise unverrichteter Dinge nach Hause gehen müssen und weiter hoffen.
Aufgrund eines Herzfehlers oder Unterentwicklung als Folge einer Fehlernährung sind einige Jungen und Mädchen nicht in der Lage, eine Narkose verabreicht zu bekommen. Der Leipziger Chirurg weiß: »Im improvisierten OP-Saal gibt es keine Intensivstation, es muss alles hundertprozentig klappen. Einen Todesfall kann sich die Mission nicht leisten. Unsere Auslandsaufenthalte sind keine Versuchslabore für junge Ärzte, die denken, sie könnten in Übersee ihre Erfahrungen machen.« Vier Tage operieren die Ärzte im Akkord. Ihre Entschädigung: ein Kinderlachen, eine überglückliche Familie und ein selbstbewusst gewordener kleiner Erdenbürger. »Seit ich Familienvater bin, ist für mich die Ernsthaftigkeit der Sache noch einmal gestiegen. Ich bin der Meinung, dass wir das Vertrauen, das die Eltern in uns setzen, rechtfertigen müssen. Unsere Arbeit ist ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Fass ohne Boden. Doch erkenne ich, auch wenn es nur ein Einzelschicksal ist, dem wir helfen können, wir konnten helfen und einen Menschen auf der Welt zum Lachen bringen«, schließt der Vorsitzende des Vereins „Operation Restore Hope“, Dr. Wachsmuth, seine Erzählung über die Operationen in Manila ab.

Statement der Fotografin: »Ich wollte schon immer eine Fotoreportage über Kinder in den Dritte Weltländern machen. Dr. Christopher Wachsmuth bei seiner medizinischen Arbeit zu begleiten, ist für mich eine große Herausforderung gewesen«, schwärmt die 43-jährige Fotografin Sylke Schumann in Erinnerung an die Reise. Sie ist beeindruckt: »Es ist unglaublich, in welchen Verhältnissen die Menschen dort leben. Doch die Kinder scheinen trotzdem glücklich zu sein. Sie kennen es ja nicht anders.«




