Fünf Kinder und selbständig - Goldschmiedemeisterin Franziska Kraft
Ein Portrait von Katrin Lux
Man könnte meinen, ihr Name sei ihr Programm. Franziska steht für "die Freie". Das klingt im ersten Moment wie ein Widerspruch. Fünf Kinder und frei sein? Natürlich geht das nicht im Sinne von immer machen, was, wann und wie man will. Aber frei sein im Sinne von frei entscheiden für ein Leben in einer Großfamilie, ohne sich selbst darüber zu vergessen. Dazu braucht man natürlich auch viel Kraft…
Vor allem aber braucht man einen Partner, der mitzieht, die gleichen Interessen hat, Kinder liebt. Den hat Franziska Kraft in Lew Ludwig gefunden, nicht im ersten Anlauf, aber jetzt vielleicht für immer. Er teilt sich mit ihr das Kinderbetreuen, das Arbeiten im Laden und die vielen 1000 wichtigen Alltagskleinigkeiten, selbstverständlich alles neben seinem Studium, Beruf oder Elternzeit. Beide leben Gleichberechtigung mit einer Selbstverständlichkeit, die erkennen lässt, wo die prägenden Jahre gelebt wurden; in der ehemaligen DDR.
Auch die Entscheidung, zusammen noch einmal drei Kinder in die Welt zu setzen, wurde gemeinsam getroffen. Das, obwohl die drei ältesten Kinder schon aus dem Gröbsten raus waren (Lew hat eine erwachsene Tochter und bereits eine Enkeltochter). Franziska Kraft stammt selber aus einer kinderreichen Familie, hat noch sechs Geschwister und ist heute noch der Nesthaken, wie sie sagt. Wenn Vorgelebtes gut funktioniert, ahmen es die Kinder gern nach. Wieder ein Beweis, dass das Vorbildsein der beste "Erziehungsfahrplan" ist. Den hat Franziska Kraft natürlich auch, aber nicht festgeschrieben und dogmatisch, eher immer in Bewegung, sich an Neues anpassend und mit Freiräumen zum selber austesten und Grenzen erfahren. Das, sagt Franziska Kraft, sei ihr wichtig.
Die Kinder sollen behütet aufwachsen und glücklich groß werden. Aber sie ist keine Glucke, kann loslassen und aushalten, wenn erste spannende Erfahrungen im Großwerden gemacht werden. In einer Sache war und ist sie beharrlich: jedes Kind soll ein Instrument spielen lernen. Sie weiß, dass das den Kindern gut tut, auch wenn die Lust nicht immer gleich groß ist. Wichtig ist Ihr, dass die Kinder im Glauben erzogen und Ihnen christliche Werte vermittelt werden. Das ist ein tragfähiges Fundament. Soziales Miteinander ist für sie kein Schlagwort sondern tägliches Leben und prägt die Kinder. Toleranz ist da sehr wichtig.
Sie war selbst noch sehr jung, 23, als Jacob geboren wurde. Heute ist er 20 und lebt schon sein eigenes Leben "aushäusig". Esther, die 18-Jährige ist der 'Star' der Familie. Bei "Schloss Einstein" spielt sie die Rolle der Marie-Luise. Ohne ihre Unterstützung der Großfamilie geht es manchmal nicht. Aber jetzt muss sie ihren eignen Weg gehen und das ist auch in Ordnung so. Dann fällt eben doch mal wieder ein gemeinsamer Kinoabend der Eltern ins Wasser mangels Babysitter. Elischa (9), der Mittlere ist nun schon wieder fast der Große im Vergleich mit seinen beiden Schwestern Martha (5) und Magdalena (2).
Franziska Kraft hat es sich nie leicht gemacht, aber das Leben auch nie so schwer empfunden, dass es nicht zu
meistern wäre. 1984 nach dem Abi hat sie bei ihrer ältesten Schwester gearbeitet und dort eher zufällig ihre Neigung für das Goldschmiedehandwerk entdeckt. Eigentlich wollte sie Bildteppichgestaltung an der Hochschule für Design, der "Burg" in Halle, studieren. Aber daraus wurde nichts. Aus einer anfänglichen Nebenbeschäftigung wurde dann eine Erwachsenenqualifizierung zum Goldschmied. Als Mutter von zwei Kindern hat sie 1998 ihren Meisterabschluss gemacht. Vor einem Jahr hat sie dann den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und sich ihr Stück Freiheit genommen; einen eigenen Laden eröffnet. In der Michaelisstraße, gleich neben der Krämerbrücke bietet sie nicht nur KRAFTSCHMUCK an (www.kraftschmuck.de) , sondern auch frechen fröhlichen Modeschmuck der Marken Ayala Bar und konplott.
Aber ihr Herz gehört den eigenen Ideen: klares Design, gern auch mit kräftigen Farben, mal zart und schlicht, mal prunkvoll-grob - kraftvoll eben. Der Laden ist ihr sechstes Kind. Die Rundumbetreuung von Ladeneinrichtung, Auswahl des Sortiments und vor allem das Handwerk, die Herstellung des Schmucks, liegen in ihren geschickten Händen. Als kreative Frau hat sie auch immer wieder neue Einfälle in Sachen Werbung und Vermarktung. Aber damit nicht genug nimmt sie regelmäßig mit Fachkollegen an Messen teil oder gestaltet Ausstellungen. Auf die Frage, ob sich eine lebensfrohe Franziska auch ärgern kann, muss sie tatsächlich kurz überlegen. Die zierliche Frau spricht erst einmal über die Dinge, die ihr Freude bereiten: Ihre Kinder mit ihren Streichen oder Marthas Schönheitsbedürfnis, ein gelungenes Schmuckstück, ein guter Verkauf an den "richtigen" Kunden oder einfach nur schönes Wetter und Sonnenschein.
Aber ärgern kann sie sich auch. Über Bürokratie, verkrustete Ämterstrukturen, über die sich entwickelnde Zwei-Klassen-Gesellschaft und über Ungleichbehandlung von Mann und Frau, über gute Theorien in Sachen Existenzgründerförderung, die aber praktisch nicht funktionieren. Aber "selbst ist die Frau" und hat immer eine Lösung parat. Sie sorgt sich, dass die Altstadt zu sehr "verhübscht" wird und sich zur "Puppenstadt" entwickelt. Sie wünscht sich, dass ihr Laden noch bekannter wird und viele Kunden zu ihr finden, sie weiterhin Zeit für Ausstellungen hat.
Ja, und Träume hat sie auch. Als bodenständige Erfurterin ist sie nie groß aus Thüringen raus gekommen. Reisen, ja das wäre schon was, Amerika oder Indien, aber das hat Zeit bis zur Rente. Die kleineren Freuden, wie der Besuch von Tanzkursen und der Genuss von Kunst und Kultur in und um Erfurt reichen ihr momentan. Sie lebt gern in Erfurt, liebt ihre Stadt, das Innenstadtflair, dass alles per Rad zu erreichen ist.
Als Optimistin sieht sie auch die Zukunft nicht düster, auch wenn die nicht leicht werden wird. Aber, was ist schon leicht? Mit fünf Kindern und wenigstens 46 Wochenstunden Arbeit auf Hartz IV angewiesen zu sein, macht sie nicht gerade glücklich. Aber sie bekommt das hin, irgendwie. Und trotzdem wäre es schön, endlich von der Arbeit leben zu können. Aber sie steht zu ihrem Entschluss, weiter als Selbständige zu arbeiten.
Wenn sie "König(in) von Deutschland wär', was würde sie tun? ", wird sie gefragt. "Aus Liebe zu meinem Mann alle Ampeln abschaffen und durch Zebrastreifen ersetzen, dort wo es Not tut. Dann würde er sich nicht mehr so viel ärgern", sagt sie mit dem ihr eigenen Sinn für Humor. Dass sie mit Lew glücklich und gemeinsam alt und faltig wird, die Liebe nicht am täglichen Einerlei scheitert, ist ein großer Wunsch.
Ob sie einen Tipp in Sachen Familienplanung hat? Die Antwort überrascht erst einmal. "Kinder passen nie", sagt sie. Sie kommen immer zum falschen Zeitpunkt. Aber wenn man sie wirklich aus tiefstem Herzen will, bekommt man das auch immer alles geregelt. Und wer, wenn nicht Franziska Kraft, weiß, dass es so ist.




