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Erfurt - Stadt der Schatz(t)räume

Wer hat nicht schon einmal vom großen Schatzfund geträumt? In Erfurt ist 1998 ein solcher Traum in mehrfacher Hinsicht Wirklichkeit geworden. Bauarbeiter entdeckten eher zufällig zunächst acht Silberbecher, an sich schon eine kleine Sensation-, außerhalb des archäologischen Grabungsfeldes im einstigen Wohnviertel der jüdischen Kaufleute an der östlichen Michaelisstraße in der Nähe der Alten Synagoge. Und Mitarbeiter des  Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie bargen  dann an der ursprünglichen  Fundstelle den  gesamten „Erfurter Schatz“. 

„ Er ist in Art, Umfang und seiner Zusammensetzung weltweit einmalig, auch weil wir ihn im Zentrum der Erfurter Altstadt in dem wiederentdeckten  ehemaligen jüdischen Wohnviertel in der aufwendig sanierten und restaurierten Alten Synagoge an einem für unsere Stadtgeschichte einmaligen Ort zeigen können…“, so das übereinstimmende Urteil von Museumsleiterin Ines Beese und Kunsthistorikerin Dr. Maria Stürzebecher, die über den „Erfurter Schatz“ promovierte.

Im Zugang des historischen Kellers des ehemaligen Wohnhauses eines reichen jüdischen Kaufmanns waren die acht Becher und die anderen Teile des Schatzes,- die 3141 französischen Silbermünzen, 14 Silberbarren und die über 700 wertvollen, gotischen Goldschmiedearbeiten bestehend aus Silbergeschirr, Broschen, Gürtelteilen, Gewandschmuck und Ringen aus dem 13.Jh. und 14.Jh.mit einem Gesamtgewicht von 30 Kilogramm offenbar vor dem Judenpogrom am 21.März 1349 vergraben worden. Wohl alle 900 Mitglieder der bedeutenden  jüdischen Gemeinde in Erfurt fielen dem Mob damals zum Opfer. Sie wurden entweder erschlagen oder in ihren Häusern verbrannt.  Doch damit gaben sich die Ratsherren noch nicht zufrieden. Sie veranlassten die Plünderung der Ruinen in dem heruntergebrannten  jüdischen Viertel mitten im Stadtzentrum und nahmen auch noch die Grundstücke und Häuser in Besitz.

Über die Jahrhunderte gerieten diese Spuren jüdischen Lebens wie die Alte Synagoge,  das ganz in der Nähe wieder entdeckte jüdische Ritualbad Mikwe, die Neue Synagoge und der jüdische Friedhof fast völlig in Vergessenheit. Im hervorragend konzipierten Museum „Alte Synagoge“ können Besucher all dem seit kurzem nachspüren und diese bedeutende Facette  lebendig vermittelter Erfurter Stadtgeschichte erleben.  Im Zentrum des Museums wird der  „Erfurter Schatz“ mit dem Prunkstück, dem kunstvoll  gearbeiteten, goldenen jüdischen Hochzeitsring präsentiert.  

Besuchern bietet das kleine Team neben der anschaulichen Dauerausstellung mit ausgeklügelten, interaktiven Elementen außerdem wechselnde Sonderausstellungen, wie die noch bis 6.November laufende „Von pestbringenden Dämpfen und reiner Luft“. Ergänzt wird das Programm  außerdem durch vielfältige Veranstaltungen,  Themenführungen  für Kinder und Erwachsene sowie durch  anspruchsvolle und sehr gut gestaltete Publikationen.

Der Stadt Erfurt, dem Museumsteam, Archäologen, Architekten, Kunsthistorikern, Ausstellungsgestaltern und Grafikdesignern ist es gelungen, die wiederentdeckten, in Jahrhunderten gewachsenen und sorgsam restaurierten Spuren jüdischer Lebenskultur angemessen und wirkungsvoll zugänglich zu machen. Weil sie von Weltgeltung sind, läuft das aussichtsreiche Bewerbungsverfahren der Stadt  Erfurt zur Aufnahme in die UNESCO Weltkulturerbeliste.

Zu Recht gehört dieses mittlerweile wieder  lebendige „Netzwerk jüdisches Leben in Erfurt“ mit dem Museum Alte Synagoge als Zentrum zu den neuen Publikumsmagneten für Einheimische und Gäste aus aller Welt in Thüringens reicher Kulturlandschaft.  Seit der Eröffnung  der Alten Synagoge vor gut neun Monaten haben das Museum bereits über 50.000 Besucher  gesehen.

 

Dr. Rüdiger Wiese

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