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»So, wie die Leute ihren Urlaub planen, planen sie auch ihre Besuche in der Alten Oper«

(Wolfang Staub, Intendant der Alten Oper Erfurt)

Text: Tanja Leuchtmann, Susann de Luca

Als das "Stadt-Theater" am 15. September 1894 eröffnete, konnte sich das für damalige Verhältnisse prunkvolle, im spätklassizistischen Stil erbaute Haus vor Besuchern kaum retten. 115 Jahre später ist Wolfgang Staub auf dem besten Weg, diese historischen Momente wieder zum Leben zu erwecken. Denn seit 2004 ist der 54-Jährige neuer Besitzer der heutigen "Alten Oper" im Süden der Erfurter Innenstadt.

 

Damals war das Haus eher dem Untergang geweiht, als dass es noch einmal eine Hochphase erleben würde. Doch Wolfgang Staub, gewappnet mit einem Näschen für Kunst und reichlich Erfahrung im Kulturgeschäft, wusste, worauf er sich einlässt, als er das Gebäude vor fünf Jahren übernahm und es somit vor einer ungewissen Zukunft bewahrte. »Das alte Haus stand leer und es wurde sogar über einen Abriss gesprochen. Dann haben wir alles beseitigt, was damals 1997 zur Schließung führte«, erinnert sich der Kulturbegeisterte an die turbulente Zeit. »Das erste Jahr war ein bisschen Hopplahopp«, schmunzelt Wolfgang Staub. »Man musste zu Beginn alles an Künstlern nehmen, was man kriegen konnte«, resümierend er und erklärt kurz darauf begeistert: «Aber nach fünf Jahren haben wir unser Profil gefunden. Nun ist ein Knaller nach dem anderen dabei.«

 

Die größte Hürde ist geschafft. Das Programmangebot, gespickt mit den schönsten Opern, Operetten, Musicals, Ballett-Aufführungen, Konzerten und Comedy-Vorstellungen, wird von den Theaterschwärmern freudig angenommen. Längst ist die Alte Oper wieder zu einem wertvollen Stück Erfurter Kultur geworden.

 

Inzwischen geben sich täglich große Schauspieler und Künstler in den Häusern von Wolfgang Staub, zu denen auch das "DASDIE Live", "DASDIE Brettl" und das Theater Zeitz gehören, die Klinke in die Hand - von Armin Mueller-Stahl über Karat bis Wolfgang Stumph. »Wir bereichern hier schon das Kulturgut«, erklärt der Geschäftsmann und schmunzelt: »Wir hätten damals bei unserem ersten Haus, dem DASDIE, ja auch eine Bäckerei, eine Zimmerei oder eine Schlosserei aufmachen können. Letztlich aber haben wir dann keine Brötchen gebacken, sondern prominente Künstler zu uns ins Haus geholt. Ich habe schon vor der Eröffnung zu meinem Team gesagt: 'Wir schauen mal und fangen einfach an.' Wenn es nicht gelaufen wäre, hätten wir wieder zugemacht.«

Der Mut und die Risikobereitschaft zahlten sich aus für den 54-Jährigen. Seit 2004 Inhaber von vier Schauspielhäusern, behielt Wolfgang Staub die Nerven und machte sich mit fachmännischer Gelassenheit daran, der Theatertradition im Opernhaus wieder Atem einzuhauchen. Heute, bei laufendem Betrieb, ist diese Ruhe undenkbar, da alles bis ins kleinste Detail organisiert sein muss. »Eigentlich muss man ein Jahr im Voraus planen, besser noch zwei Jahre«, lacht der Intendant schelmisch.

 

Aber egal wie schwierig die Anfänge auch waren, Wolfgang Staub war und ist noch immer bestrebt, den Kunsthunger der Zuschauer zu stillen. Er erinnert sich zurück: »Wir haben damals im DASDIE Live ganz klein angefangen mit 200 Plätzen. Aber es ist einfacher, wenn man einen großen Saal wie in der Alten Oper zur Verfügung hat, weil es eben die meisten Künstler in die großen Säle zieht. Und die Alte Oper ist zudem nun mal das größte Theater in Thüringen«, erklärt der Besitzer der vier Spielstätten und ergänzt: »Außerdem hat sie nicht die Weite wie übliche Theatersäle und dann auch noch ihren ganz eigenen Charme«. Wolfgang Staub verrät: »Viele Besucher sind schon als Kinder hierhergekommen. Diese Menschen sind oftmals so begeistert, dass sie uns gern immer wieder versichern: 'Wir gehen lieber in ein klassisches Haus, wie eben in die Alte Oper.'«

 

All die Mühen und der Arbeitseifer haben sich gelohnt - die Menschen zieht es wieder in das historische Haus in der Gorkistraße 1. Vor allem die Eigenproduktionen aus dem Hause Staub, welche das Herzstück der Alten Oper verkörpern, begeistern die Theaterfreunde. »Ich verpasse nie eine Vorstellung unserer "Comedian Harmonists"«, schwärmt auch Wolfgang Staub. »Das ist so ein ergreifendes Stück mit tollen Leuten und hochtalentierten Schauspielern. Die Dramatik ist enorm.« Und auch die Beatles-Hommage "All you need is beat" weckt in dem 54-Jährigen wahrlich Begeisterung: »Das ist ein echter Knaller.«

 

»Bis solch ein Stück zum Kultstück wird, braucht es leider mitunter viele Jahre«, erzählt der Spielstätteninhaber. »Aber in erster Linie ist es uns wichtig, was das Publikum sehen will. Und mittlerweile weiß ich, was unsere Zuschauer möchten.« Wolfgang Staub berichtet erfreut: »So, wie die Leute ihren Urlaub planen, planen sie auch ihre Besuche in der Alten Oper. Viele buchen ihre Theaterkarten bereits ein halbes bis ein Jahr im Voraus.«

 Doch auch die jungen Besucher liegen dem vierfachen Theaterhausbesitzer persönlich am Herzen: »Die Kinder von heute sind unser Publikum von morgen. Man muss sie wieder erziehen, ins Theater zu gehen. Denn es ist unser Anspruch, die jungen Zuschauer an das Theater heranzuführen, um sie auch noch in 20, 30 Jahren als Besucher zu haben.« Wolfgang Staub zwinkert spitzbübisch und ergänzt: »…damit wir dann auch das 150-Jährige feiern können!«

 

 

 

 

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