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 »Lutz Hübner zeigt in "Blütenträume", dass man mit 60plus noch lange nicht zum "alten Eisen" der Gesellschaft gehören muss«

 
Nach seinem großen Erfolg am Theater Rudolstadt, sind nun auch am Theater Nordhausen Frühlingsgefühle spürbar: Das Stück "Blütenträume" macht Mut, die Liebe im Alter doch noch einmal zu wagen und zu entdecken. »Es macht Mut, den ersten Schritt zu gehen und sich auf andere Menschen einzulassen«, verrät Friederike Lüdde, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Theater Rudolstadt im Interview mit 60plusminus…

Frau Lüdde, was hat es mit dem neuen Stück "Blütenträume" des Theaters Rudolstadt auf sich, wovon handelt die Geschichte?

»"Blütenträume" ist ein Schauspiel von Lutz Hübner, das mit seiner Neuinszenierung am Theater Rudolstadt jetzt zum dritten Mal in Deutschland zu sehen ist. Das Besondere an dem Stück ist, dass es sich auf liebevolle und amüsante Weise den Problemen des Altwerdens annimmt. Eine Gruppe älterer Menschen trifft sich in einem Flirtkurs 55plus der Volkshochschule. Fast alle sind sie über 60, einsam und dazu entschlossen, unter professioneller Anleitung einen Lebenspartner für die sogenannte "nachberufliche Lebensphase" zu finden. Doch mit den Methoden wie Speed-Dating oder Selbstpräsentation, die der unerfahrene Kursleiter Jan anwendet, können sie nichts anfangen. Und so schwinden anfängliche Offenheit und verhaltene Euphorie zunehmend.


Bild 1

Immer deutlicher wird, dass die Alten mit den Ausprägungen der modernen Welt nicht klarkommen können - und wollen. In einer kleinen Revolte setzen sie Jan vor die Tür und treffen sich anschießend privat. Was dann aber auf dieser Party passiert, sei hier noch nicht verraten.«

Es ist, wie Sie sagen, ein in Deutschland bisher selteneres Stück, welches aufgeführt wird… Woran mag das liegen? - Vielleicht daran, weil hier ein Tabu angesprochen wird?

»Zunächst ist das Stück noch sehr jung. "Blütenträume" wurde erst im September 2007 in Essen uraufgeführt. Ein weiterer Grund für die Seltenheit dürfte sein, dass es nicht sehr viele Theater gibt, die das Stück aus dem eigenen Ensemble besetzen können. Immerhin werden dort sechs Schauspieler um die 60 gebraucht! Und - last but not least - sicherlich trägt ebenso das Thema des Stückes zu der Seltenheit der Aufführungen bei. Alter und Liebe sind immer noch etwas, deren Diskussion man in Deutschland eher meidet. Der Film "Wolke 9" von Andreas Dresen, der im Sommer 2008 in den deutschen Kinos war und Sex im Alter thematisiert, war in Richtung Lockerung der Tabus geradezu bahnbrechend. "Blütenträume" ist anders. "Blütenträume" geht mit Leichtigkeit und trotzdem auf tiefsinnige Weise mit den Themen Alter, Liebe und Einsamkeit um. Lutz Hübner beschreibt die Biografien seiner Protagonisten sehr poetisch und liebevoll.«

Warum hat sich das Theater Rudolstadt gerade zu einer solchen Thematik entschieden und wagt sich mit einem Stück über Liebe im Alter auf die Bühne?

»Das Durchschnittsalter unseres Publikums ist relativ hoch. Viele Zuschauer sind seit Jahren mit dem Theater hier verbunden, praktisch mit ihm aufgewachsen. Es gibt einige Besuchergruppen, die relativ weit aus der Umgebung kommen, meist Senioren - oder besser: Menschen in der "nachberuflichen Lebensphase". Mit dem neuen Intendanten Steffen Mensching, der mit seinem neuen Team seit dieser Spielzeit das Theater leitet, hat man sich das Ziel gesetzt, auf die Bedürfnisse der Region und die örtlichen Gegebenheiten zu reagieren. Und eines der brisantesten Themen ist eben der demografische Wandel, die Überalterung der Gesellschaft und damit der Generationenkonflikt, der auch die Leute in Rudolstadt und Umgebung betrifft. Nur am Rande: In einem Zeitungsartikel der Ostthüringer Zeitung stand beispielsweise geschrieben, dass das Sterbealter in Rudolstadt und Saalfeld mit 76 Jahren zwei Jahre über dem Durchschnitt liegt ... Lutz Hübner zeigt in "Blütenträume", dass man mit 60plus noch lange nicht zum "alten Eisen" der Gesellschaft gehören muss und seine ganz eigenen Ansprüche und Wünsche haben kann. Er sagt, es ist nie zu spät für die große Liebe.«


Bild 2

Wie war es unter Ihren Schauspielern - waren diese schnell für das Stück zu begeistern oder gab es hier vielleicht einige Bedenken?

»Die Schauspieler waren sehr schnell begeistert von dem Vorhaben. Das Stück geht jeden etwas an. Die Rollen, die sie auf der Bühne verkörpern, bieten ihnen die Gelegenheit, in ihre eigenen Biografien einzutauchen und viel von sich ins Spiel einzubringen. Es sind alles interessante Figuren mit bewegenden Schicksalen, jede auf ihre Weise. Selten gibt es Stücke, in denen die Rollen auch von der Größe so gleichberechtigt nebeneinander stehen. Jeder hat seinen Monolog und seine Momente, in denen er glänzen kann. Hier kann jeder Schauspieler sozusagen zeigen, was er drauf hat.«

Ist dieses Theaterstück für Ihr Haus etwas Besonderes, etwas, bei dem Sie selbst vielleicht auch gespannt auf die Reaktionen der Zuschauer warten?

»Ja für uns ist interessant, ob die Zuschauer sofort eine Nähe zu den Personen auf der Bühne verspüren und sich vielleicht über sie selbst ganz neu entdecken können. So ging es zumindest den Schauspielern mit ihren Rollen. Und natürlich würden wir uns wünschen, dass sie sagen: Ja, der Theaterabend hat uns gefallen. Dass er unser Publikum nicht nur amüsiert und unterhält, sondern genauso bewegt und trifft - ihnen vielleicht sogar neue Perspektiven eröffnet.«







Bild 3


Wer darf sich von diesem Stück angesprochen fühlen und zu Ihnen kommen?

»Jeder. Egal ob alleinstehend oder in Partnerschaft. Egal ob junge oder alt. Denn unter Einsamkeit leiden schließlich alle Generationen und das Thema Liebe geht jeden etwas an.«

Was möchten Sie als Theater in den Besuchern des Stückes Wachkitzeln?

»Wir würden uns freuen, wenn sich die Zuschauer mit ihren Problemen verstanden fühlten und wenn bei ihnen der Funken überspringt, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sie sich trauen, in Sachen Liebe die Initiative zu ergreifen. Und das vielleicht, obwohl man den eigenen Körper nicht mehr so ohne Weiteres auf dem Markt der Eitelkeiten zur Schau tragen möchte oder man schlicht nicht darauf vorbereitet war, überhaupt nochmal auf die Suche zu gehen. Denn "Alter schützt vor Liebe nicht", sagt Jeanne Moreau. Und für die jungen Zuschauer - Ein Verständnis für das Alter wecken.«

Theaterliebhaber werden auch zukünftig am Theater Rudolstadt die "Blütenträume" erleben können, auch wenn eine nächste Spielzeit vorerst am Theater Nordhausen geplant ist.

Hierfür gibt es bereits folgende Termine: 25.04.2009, 03.05.2009 und 29.05.2009


Bildunterschriften:

Bild 1: Joachim Brunner (Friedrich, Schuldirektor), Ute Schmidt (Britta, Bibliothekarin), Hans Burkia (Heinz, Automechaniker), Horst Damm (Ulf, Schreiner), Stefan Kreißig (Jan, Seminarleiter), Anna Schönberg (Julia, Maklerin), Petra Eichhorn (Frieda, Witwe), Verena Blankenburg (Gila, Witwe)

Bild 2: Verena Blankenburg (Gila, Witwe), Ute Schmidt (Britta, Bibliothekarin), Petra Eichhorn (Frieda, Witwe), Anna Schönberg (Julia, Maklerin)

Bild 3: Anna Schönberg (Julia, Maklerin), Stefan Kreißig (Jan, Seminarleiter)

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