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Termine heute:

 

Literarisches an ausgesuchten Orten

Ob nun als Schauplatz eine ländliche Mühle, ein Straßenbahndepot oder ein Hotel in der Altstadt vom Erfurter Literaturverein (ELV) für eine LesArten-Lesung auserwählt wurde, der Saal ist stets gut mit Zuhörern gefüllt…

Bereits seit 2002 locken die Lesungen mit dem Motto "Das Wort sucht sich den Ort" zahlreiche Literaturfreunde zu sich. Meist passt der Bezug der Lesereihe auch in weiterer Hinsicht zu den Zeilen, wenn zum Beispiel der Synchronsprecher des Schauspielers Johnny Depp eigens anreist, um aus Washington Irvings "Sleepy Hollow" vorzulesen oder das Wohnhaus des Autors Ort der Lesung anlässlich seines Geburtstages wird, wie im Falle des Aufklärers Christoph Martin Wielands. In den LesArten erfährt man meist rundum Neues und Lehrreiches zu den Autoren und zu Hintergründen der gelesenen Werke.

Inzwischen sind die Interpretationen der Lesungen so beliebt, dass der ELV-Vorsitzende Sebastian Thiem auch in der zum Teil parallel laufenden Fußball-EM oder anderen Geschehnisse seiner monatlichen Veranstaltungsreihe keine Konkurrenz sieht. Warum auch? - Die Lesung des Werks "Meister und Margarita" von Michail Bulgakow ist an einem lauen Sommerabend gut besucht. Etwa 50 Personen befinden sich im Straßenbahndepot in der Magdeburger Allee, weil »Wir etwas viel Spannenderes als die letzten Leistungen der deutschen Nationalmannschaft haben.«, zeigt sich Sebastian Thiem selbstbewusst. »Heute reisen wir ins Moskau der 20er Jahre. Menschen verlieren ihre Köpfe, es spukt, Hexen gehen herum, Vampire lehren einem das Fürchten - kurzum: es ist der Teufel, der Moskau zum Platz seines Karfreitagsspektakels erwählt hat.« Und schon geht es wahrhaft teuflisch los mit dem Vortrag des ersten Romanteils. Teuflisch gut, um genau zu sein, denn unser heutiger Vortragende ist laut Sebastian Thiem »mit Detlef Heintze die Idealbesetzung.« Jahrelang überzeugte dieser als Faust-Darsteller auf den heimatlichen Bühnen. Ohne Mikrofon, auf einem Podest sitzend, im Hintergrund zwei ältere Schienenfahrzeuge, so nimmt uns der 63-jährige Detlef Heintze alias "Volant" gefangen. Der Vorleser versteht es, uns den Schauplatz an den Patriarchenteichen in Moskau bildhaft vor Augen zu führen.

Kein Wunder, denn Detlef Heintze zeigt sich geübt: »Ich lese das dritte Mal für den Literaturverein. Sie suchen sich ja immer einen Sprecher, der dem Text nahe kommt und haben in diesem Fall wieder mich kontaktiert. Mir bereitet das großen Spaß. Man kommt dadurch dazu, dieses Stück großartige Literatur wieder einmal zu lesen und dazu spielerische Möglichkeiten zu entwickeln.«, so der Schauspieler zu seiner Rolle. So eine Lesung sei schon eine andere Art, mit dem Text, der eher wie ein Hörbuch vorgetragen wird, öffentlich umzugehen, sagt uns der sympathische "Faust".

Gelächter und Kichern aus dem Publikum beweisen, dass Michail Bulgakows revolutionäre Satire auf die damaligen sowjetischen Zustände bis heute ihre Wirkung nicht verfehlt. Als Detlef Heintze schließlich mit diabolischem Gelächter die Schlüsselszene, die wohl auch für den heutigen Lesort die inspirierende war, vorträgt: »Manchmal kommt es noch schlimmer und er rutscht unter die Straßenbahn«, ist dem Publikum tatsächlich der Schrecken ins Gesicht geschrieben. Die Stimmen aus dem Publikum verkünden durchweg Positives. Wir erfahren von einer Dame, die ebenfalls vom Fach ist, was für sie das, wie sie meint, »Großartige« an der heutigen Lesung ist: »Man sieht die verschiedenen Figuren förmlich vor sich. Die Leistung ist ganz hervorragend, man merkt den komödiantischen Charakter. Da gehört schon viel Faszination für das Werk dazu, mit den unterschiedlichen Stimmen zu sprechen.«, zeigt sich auch Iris Renner, die selbst zum talentierten Kreis der Vorleser des der LesArten zu zählen ist, ganz unkritisch.
Auch junge Zuhörer, die 22-jährigen Studenten Alexander Lesser und Ulrike Neumeister, sind von dem Leser überzeugt, empfanden jedoch: »die Geschichte als nicht so spannend.«

Einmal sucht sich in diesem Jahr noch das Wort den Ort, wenn es heißt mit "Nils Holgersson und den Wildgänsen" auf Reisen zu gehen, in Erinnerung an den 150. Geburtstag der Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf.

Bis zum Redaktionsschluss Ihrer 60plusminus stand der Termin allerdings noch nicht fest. Weitere Termine der LesArten-Reihe für 2009 erfahren Sie rechtzeitig im Terminkalender Ihrer 60plusminus und auf www.kribbelbunt.de.
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