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Termine heute:

 

Ein sinnliches Vergnügen

Wenn einem wieder einmal der Rücken so richtig Beschwerden macht, dann wird es Zeit, sich einer Massage zu unterziehen. Ein günstiges Angebot in meinem Massageinstitut ließ mich einige Termine buchen. Die Atmosphäre dort trug schon zur Einstimmung bei.

Da gab es Musik, freundliche Accessoires und den leisen Duft von Essenzen und Ölen. Kabinen in unterschiedlicher Farbgebung. Eine davon in starken, fast aggressiven Gelbtönen vermittelte mir zwar nicht gerade das Gefühl zur Entspannung, aber es gab auch einen schönen großen Raum, breite Fenster, an einer Seitenwand einen riesigen Spiegel: das verhieß sofort Weite und gute Energieströme. Auch das Personal bevorzugte diesen Raum, so dass er immer schnell besetzt war. Die leise Entspannungsmusik im Hintergrund war wohltuend.

Also nun auf den Bauch gelegt, die Arme locker nach hinten neben den Körper, Handinnenflächen nach oben, die Finger relaxed. Die forschenden Hände auf meinem Rücken fanden schnell die harten Verkrampfungen in den Schultern. Vom Lendenwirbelbereich aufwärts begannen Fingerspitzen und Hände ihr Werk. Auf die Forderung: "nicht so steif im Rücken" konnte ich mich auch sofort in das Gegenteil - den lockeren Rücken - fallen lassen. Und schon strahlten die Hände eine ganz wohltuende Magie aus. Die Griffe in den Schulterbereich waren noch schmerzhaft und ließen mich aufstöhnen, so dass der Masseur vorsichtiger zu Werke gehen musste. Stand er an meiner linken Körperseite, drückte sein rechter Schenkel gelegentlich gegen meine Hand. Dann auf meiner rechten Seite hatte ich plötzlich so ein diffuses Gefühl, das ich erst gar nicht richtig zu deuten wusste.

Was da so ganz leicht die Kante meiner geöffneten Hand und später meinen Unterarm berührte, es war wie ein Hauch, das war doch nicht etwa? Ich hielt fast den Atem an. Dann begann meine Fantasie zu arbeiten. Was da so locker und leicht und so nebenbei mich berührte, ohne sich selbst zu bewegen, das konnte nur in dünnen losen Shorts stecken. Ein straffer kleiner Slip hätte alles zusammengehalten und fest an den Oberschenkel gedrückt. Es bestätigte aber auch die Theorie, dass Männer Linksträger sind. In losem Plauderton ging die Massagestunde zu Ende.
Auf dem Nachhauseweg schalt ich mich selbst, dass das wohl meine Fantasien einer alternden Frau gewesen seien. Ich hatte mir aber vorgenommen, beim nächsten Mal vorher Obacht zu geben, wie hoch die Einstellung des Massagebettes sei, ob es überhaupt möglich sei, dass meine Arme ihn so berühren konnten.

Ich lag schon auf dem Bett, aber noch erhobenen Hauptes. Er stand daneben, ölte seine Hände, ich dachte, ist doch nicht bei der Körpergröße, alles Quatsch. Aber kaum hatte ich die Nase in der Atemvertiefung, stellte er durch Hydraulik eine andere Höhe ein und schon war die richtige Ebene zwischen uns wiederhergestellt. Alles lief wieder genau so ab. Es war kein Drängen, ganz zu schweigen von einer Belästigung. Es war ganz locker und leise, nichts passierte weiter als diese zarte Berührung an meiner rechten Seite. Was sollte auch schließlich weiter passieren? Ich: über 70 Jahre alt, er: könnte sicherlich fast mein Enkel sein. Dennoch reizte mich dieses sanfte Touche fast zum Lachen. Das war so mächtig, dass ich das aufsteigende Lachen in einem Anfall von Niesen erstickte.

Als ich nach dem Anziehen im Aufnahmebereich an den Schreibtisch trat, kniete er auf einem Stuhl vor mir, beugte sich über den Tisch zu seiner Kollegin am Computer und beriet über Termine. Hinten war seine weisse Leinenhose verrutscht, ich sah, dass er lockere weisse Shorts trug. Na also! Meine Massagen gingen auf solch vergnügliche Weise zu Ende. Er riet mir, mich im neuen Quartal bei meiner Hausärztin um ein Rezept zu bemühen, da ich doch noch sehr verspannt sei. Erst hatte ich mal eine schöne Reise, dann würde ich mich kümmern.
Während der nächsten Wochen wollte ich es eigentlich auch wieder so abtun, als hätte es nicht so sein können. Trotzdem liefen meine Gedanken weiter. Wie wäre das, wenn statt meiner eine junge hübsche Frau da läge, ginge das auch so leise und ohne Reaktion vorüber? Oder was wäre, wenn man ihn darauf ansprach?

Im neuen Quartal mit Rezept: Sechs verordnete Massagen. Ich rief an, meldete mich an, er fragt: wollen Sie wieder bei mir? Gleicher Ort, gleiches Spiel. Einmal sagte ich mir an einer bestimmten Stelle, wenn du jetzt den kleinen Finger rührst oder gar die Hand schließt, was wird dann? Aber sogleich hätte ich mich als Belästiger oder zudringlicher Patient gefühlt. Ein anderer Gedanke war, ich musste darüber sprechen, dass ich Bescheid wusste. Aber das musste sehr geschickt und dezent angegangen werden. Ich dachte immer, in meinem Alter könnte ich über alles reden, nichts Menschliches ist mir mehr fremd. Nun lag ich auf dem Bauch, hatte mir alle Sätze zurecht gelegt und wagte nicht den Anfang. Ich wollte über Körperkontakt im allgemeinen in seinem Beruf sprechen, schließlich musste er viel mehr mit älteren Menschen umgehen, die wegen Gebrechen aller Art und deformierten Gliedmassen hierher kamen.

Ich zählte mich nicht einmal so zu den Letzteren, aber alt war ich ja auch. Natürlich habe ich auch weiter gedacht, was er wohl antworten würde, wenn ich mitteile, was ich da gefühlt habe.

Möglichkeit 1: Aber Madame, Sie müssen sich irren, nichts dergleichen ist geschehen! (Der höfliche Rückzieher auf Gentleman-Art, aber ein bisschen feige.)

Möglichkeit 2: Oh, das habe ich nicht bemerkt, Entschuldigung, soll nicht wieder vorkommen. (Auch höflich. Aber immer noch Rückzieher.)

Möglichkeit 3: Oh, ich war nicht sicher, dass Sie es bemerken. Aber wenn es so ist, dann hat es mir ebenfalls Vergnügen bereitet, wir können es doch beide einordnen, nicht wahr?

Möglichkeit 3 hätte mir gefallen. Was glauben Sie, liebe Leser, wann ich mit ihm darüber gesprochen habe? Zu den sechs Kassenbehandlungen habe ich noch zwei Massagen zum Ausklang bezahlt, die er mir artgerecht für meine bevorstehende Kur verabreichte. Gesprochen habe ich mit ihm darüber nicht. Aber das Unausgesprochene erhöht oft den Reiz des Erlebten. Und ich komme auch wieder.

Charlotte

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