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Mit 84 Jahren das Radio-Mikrophon noch fest im Griff

»Stellen Sie sich einmal vor, ein 80-Jähriger fragt in einem Fachgeschäft nach Computern. Der Verkäufer würde sich doch über das Alter des Kunden wundern und denken, dass man mit dem Opa ganz vorsichtig umgehen muss, oder etwa nicht?« Hans-Dieter Valley lacht bei dem Gedanken an diese außergewöhnliche Situation. Weit hergeholt ist sie allerdings nicht, denn der 84-Jährige arbeitet selbst häufig mit den modernen Rechenmaschinen. Doch die Erfahrung im Alter nicht ernst genommen zu werden, kennt der Eisenacher nicht.

Von seinem Arbeitszimmer hat Hans-Dieter Valley einen herrlichen Blick über die Stadt. Dort sitzt er häufig, schreibt Texte, Gedichte, fotografiert und bereitet Radiosendungen vor. Unheimlich viele Aktivitäten für einen Mann, der sich seit dem Jahr des Mauerfalls im wohlverdienten Ruhestand befindet. Doch man hat den Eindruck, dass der 84-Jährige seinen Hobbys mit Leib und Seele nachgeht und sich gar nicht auf die faule Haut legen möchte: »Ich kann nicht anders«, gibt Hans-Dieter Valley mit einem bescheidenen Lächeln zu. »Ich mache ja nur Sachen, die mir Spaß bereiten.« Und auch mit der modernen Technik hat sich der Pensionär schon angefreundet: »Die Digitalkameras sind ja klasse, damit kann ja jeder Dumme fotografieren.«

Zu den Lieblingsbeschäftigungen des ehemaligen Deutsch- und Russischlehrers gehörte von Klein auf das Lesen und Schreiben. Doch im Jahr 2003 kam durch einen glücklichen Zufall ein weiteres Hobby dazu: das Radio. Eigentlich wollte Hans-Dieter Valley nur ein paar Lieder für seine Enkel und Urenkel beim Stadtradio Eisenach aufnehmen. »Ich dachte, die sagen ich spinn als ich dort mit meiner Gitarre auftauchte«, weiß der Hobby-Musiker zu berichten. Doch nichts dergleichen geschah. Im Gegenteil, die Leute vom Radio wollten den pensionierten Lehrer gleich dort behalten. Seitdem ist Hans-Dieter Valley Mitglied beim Wartburgradio, das durch den Verein "Offener Hörfunkkanal Eisenach" getragen wird. »Als Sechsjähriger stand ich schon einmal vor einem Radio-Mikrophon und nun gegen Ende meines Lebens bin ich wieder dort angelangt. Das ist schon komisch«, freut sich der 84-Jährige.

Seit sechs Jahren ist der kreative Rentner nun schon auf der Frequenz 96,5 mit einem eigenen Programm zu hören. Angefangen hat alles mit dem "verwunderten Zeitgenossen". Eine Sendung, in der der gebürtige Königsberger mit viel Freude und einer spitzen Zunge seine Meinung zu gesellschaftlichen Themen äußerte. An eine Sendung des "Zeitgenossen" erinnert sich Hans-Dieter Valley noch besonders gerne. Er beklagte sich darin über die vielen Ärzte, die in den Westen Deutschlands abwandern. »Die Sendung war kritisch und ironisch. Das hat wohl Eindruck gemacht«, resümiert der Hobby-Moderator, denn im Jahr 2005 wurde ihm dafür das Goldene Mikrophon überreicht. »Was ja eigentlich gar nicht golden ist, sondern nur in Bronze gestrichen wurde. Aber das macht nichts«, fügt Hans-Dieter Valley mit einem Augenzwinkern hinzu. Obwohl "Der verwunderte Zeitgenosse" sehr gut beim Publikum ankam, war es dann irgendwann Zeit für was Neues, weniger Kritisches.
Von "wahren Geschichten aus aller Welt" berichtete Hans-Dieter Valley dann seinen Hörern. Sie erfuhren, warum Pech auch manchmal Glück bedeutet oder was es mit dem Tod des ehemaligen US-Präsidenten Kennedy auf sich hatte.

Im Moment ist Hans-Dieter Valley mit seiner 3. Sendereihe beschäftigt, in der er sich auf moderne Art und Weise der deutschen Lyrik widmet: »Die Sendung handelt von Sagen rund um die Wartburg, bestückt mit ein paar lustigen Kommentaren von mir. Das kann ich einfach nicht lassen«, lacht der 84-Jährige. Doch was sich so einfach anhört, erfordert eine sorgsame Vorbereitung. Zunächst müssen natürlich die Sagen gelesen werden. Eine Arbeit, die eigentlich gar keine ist, denn Hans-Dieter Valley ist ein begeisterter Bücherwurm. »Dann muss ich mir überlegen, wie ich die Sagen auf moderne Art und Weise den Hörern nahe bringe«, berichtet der 84-Jährige, denn alte, verstaubte Sagen vorlesen, könne ja jeder. Wenn sein Programm fertig ist, ruft Hans-Dieter Valley beim Wartburgradio an. »Die sind ja alle so sehr nett zu mir«, lobt der Pensionär seine Kollegen.

Da ihm leider das Laufen Probleme bereitet, hat der Verein eine tolle Möglichkeit gefunden, um die Texte von Hans-Dieter Valley auch ohne Studio aufnehmen zu können: Das Aufnahmegerät wird dem 84-Jährigen einfach nach Hause gebracht. Dann kann der Pensionär in Ruhe seinem Hobby nachgehen und in seinem gemütlichen Arbeitszimmer das Aufnahmegerät besprechen. Um alles weitere kümmert sich dann der Verein.

Zum Sendetermin sitzt Hans-Dieter Valley gerne gemeinsam mit seiner Frau Ilse vor dem Radio und lauscht der 30-minütigen Sendung, die mit passender altertümlicher Musik untermalt wird. Dann kann auch die 83-jährige Gattin oftmals das Lachen nicht unterdrücken. Ein Zeichen, dass sie die Arbeit ihres Mannes sehr zu schätzen weiß. »Aber wenn man so lange verheiratet ist, dann bekommt man ja kein Lob mehr«, scherzt Hans-Dieter Valley, Vater von drei Söhnen. Mit seinen 84 Jahren hat sich Hans-Dieter Valley den Humor bewahrt, auch wenn er auf viele schreckliche Erfahrungen vor allem während des 2. Weltkrieges zurückblickt. Um diesen Teil der deutschen Geschichte an viele Generationen weitergeben zu können, hat der Pensionär im Alter von 75 Jahren eine Autobiografie geschrieben: "Durchgehalten" lautet der Titel des 800-seitigen Buches, in dem er die Vertreibung aus seiner Heimat Ostpreußen und die fast fünfjährige russische Gefangenschaft nach dem 2. Weltkrieg beschreibt. »Das sind Erlebnisse, die sich doch sehr in das Gedächtnis eingraben«, erklärt Hans-Dieter Valley. »Ich habe sehr viel Glück gehabt, sonst wäre ich jetzt nicht mehr am Leben.«

Natürlich hoffte das Umfeld von Hans-Dieter Valley auf eine Vertonung des Buches. Von seinem Sohn kam sogar schon der Tip, er solle sich mal mit Hörbüchern ausprobieren. Und auch das Wartburgradio würde sich natürlich sehr über eine Sendung freuen, in der Hans-Dieter Valley aus seinem Buch liest. »Es reizt mich natürlich sehr. Aber ich weiß nicht, ob meine Kraft und Gesundheit reicht, ein 800-seitiges Buch zu vertonen«, bedenkt der 84-Jährige. Auch was nach den "Thüringer Sagen" kommt, kann der Eisenacher noch nicht sagen.

Hans-Dieter Valley konzentriert sich erst einmal nur auf das Hier und Jetzt: »In meinem Alter macht man keine Pläne mehr. Ich freue mich über jeden Tag den ich gemeinsam mit meiner Frau erleben darf. Das ist doch wunderschön, wenn man noch zusammen sein kann.« Dem Radio möchte der humorvolle Rentner dennoch so lange wie möglich treu bleiben: »Die ganze Atmosphäre gefällt mir so gut. Es ist wirklich ein toller Verein.« So können sich die Hörer des Wartburgradios auch zukünftig auf einige amüsante Sendungen über die Thüringer Sagen freuen. »Es ist doch herrlich, wenn man anderen Leuten Spaß bereiten kann. Und ich bekomme das Gefühl, gebraucht und anerkannt zu sein. Was will man mehr?«

Bildquellen: Wartburgradio

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