Manfred Rittweger - sportlicher Vertreter der Zielstrebigkeit
Viele bereiste Länder, über 70 Jahre lang sportliche Höchstleistungen und athletische Erfolge sowie eine immer noch beneidenswerte gesundheitliche Verfassung und atemberaubende Fitness - auf niemand anderen würde diese Beschreibung so haargenau passen, wie auf den 80-Jährigen Manfred Rittweger.
Doch
während wir vor dieser persönlichen Bilanz des Sportlers
bewundernd den Hut ziehen, winkt der Erfurter Sportler dies mit
lakonischer Handbewegung ab. »Ich schaue immer nur nach
vorn«, beschreibt er seine Lebensmaxime.
Der noch immer aktive Orientierungsläufer, der mit Karte und
Kompass durch unbekanntes Waldgelände einen Wettkampf
bestreitet und erfolgreiche Leichtathlet macht es einem nicht
unbedingt leicht, ihn zu nehmen zu wissen. Einerseits sehr
bescheiden und andererseits seine Leistungen doch betonend, lenkt
er unser Gespräch in eine Tendenz, die wir selten erlebt
haben. - Ein Charakterzug, der ihm diese spezielle Aura verleiht,
von welcher er aber wiederum nichts hören möchte:
»Ich bin doch ganz normal.«, so verspricht der agile
(Un-)Ruheständler mit spitzbübischem Lächeln.
Gerade ist er dabei, eine Laufkarte für eine
Orientierungslauf-Route anzulegen. Dies tut er für die
Schulklasse seiner Tochter mit Hilfe eines Computerprogramms. Auch
in diesem Bereich ist er also topfit: »Damit beanspruche ich
mein Hirn. Denn die Software muss man erstmal bedienen, dafür
habe ich lange gebraucht«. Während er sein
Kartenmaterial flink zusammenräumt und ordentlich ablegt,
schauen wir uns im Wohnzimmer des rüstigen Herren um,
entdecken Langspielplatten im Regal sowie Plattenhüllen
gerahmt an der Wand und eine gepflegte Vitrine voller Pokale,
daneben akkurat angeordnete Fotoalben, die, wie wir später
erfahren, seine langjährigen Erfolge, ordentlich eingeklebt,
dokumentieren.
Seit 1936 ist Manfred Rittweger Leichtathlet, seit 1977
Orientierungsläufer, bezeichnet das Hammerwerfen aber als
seine »Spezialdisziplin«. Der Sport lässt ihn
nicht mehr los, seit er im Dreikampf vor 71 Jahren einen
Eichenkranz gewinnt. Selbst zum 70. Jubiläum im letzten Jahr
gewinnt er in Aachen noch die Bronzemedaille. Dieses Ergebnis steht
symbolisch für die gesamte sportliche Karriere des
sympathischen Pensionärs.
Als er 1977 mit dem Training für einen Orientierungslauf als
Sportdozent, gemeinsam mit sechs seiner Studenten, beginnt,
schließen sich an dieses kurz darauf zwei Titel für das
Team an: Manfred Rittweger wird DDR-Meister, eine seiner
Schülerinnen Studentenmeister. »Das ist alles eine Frage
der Einstellung und des Willens. Diese Leistung war unser
Ziel«, erklärt er uns, als sei es das Normalste auf der
Welt. Er habe es immer gewollt, Leistung zu bringen. Dieser Wille
brachte ihm fünf gewonnene Meisterschaften der DDR und vier
Deutsche Meistertitel ein.
Am heutigen Königin-Luise-Gymnasium und an der Kinder- und
Jugendsportschule war der gebürtige Nordhäuser als
Sportlehrer tätig, in Weimar als Fachschul-Dozent für
Sport. In dieser Zeit gerät die Leichtathletik in den
Hintergrund, erst als Rentner kehrt er wieder so richtig in dieses
Metier zurück.
Mit 70 Jahren beginnt er mit dem Hammerwerfen, ein Jahr später
ist er darin Deutscher Meister und mit 75 Jahren schließlich
Weltmeister. Kaum zu glauben, denn wie ein Hammerwerfer sieht der
schlanke 80-Jährige mit der sehnigen Figur und dem aufrechten
Gang wahrlich nicht aus.
