Weimar von seiner grünen Seite
Unter dem Motto "Gärten für alle" haben sich am 1. Juni 2008 die Gartentore von 43 Gärten in Weimar und Umgebung für alle Interessenten geöffnet. "Offene Gärten" heißt diese beliebte Veranstaltungsreihe, die es auch in vielen anderen Orten gibt. Die Tore zeigten sich geschmückt und die Eigentümer haben für ihre Besucher gebacken und Kaffee gekocht.
Es gab selbstgemachte
Marmelade, Säfte und noch allerlei Leckeres. Die Hausherren
und -damen kümmerten sich fürsorglich um die Besucher und
erklärten ihre Anlage, die Pflanzen und vielfach auch die
neuere und längere Geschichte des betreffenden Gartens. Im
Garten des Bienenmuseums wurde eine Vielfalt von Produkten zum
Verkauf angeboten; für Ruhesuchende standen schattige
Plätze zum Ausruhen und Bienenstich-Kuchen zum Genießen
bereit. Im Garten Marienstraße 17a hatte der Verein
"Rapontica - Gemüse und Kräuter der Goethezeit" e.V.
seinen Stand mit Pflanzen und Produkten aufgestellt.
Carola Sedlacek, bekannt als "Küchenfee" aus der Sendung
MDR-Garten, hat den anwesenden Gästen einen interessanten
Vortrag über die Pflanzen der Goethezeit gehalten,
insbesondere über die vielfältigen Kohlsorten von damals,
von denen heute viele aus dem Angebot verschwunden sind. Die
Goethe-Spezialistin und Historikerin weiß, dass Johann
Wolfgang Goethe nicht nur einer der bedeutendsten deutschen Dichter
sondern auch passionierter Gärtner war, der die
unverfälschte Natur sehr schätzte. Dank seiner
Überlieferungen, seinen Brief- und Tagebüchern kennt
Carola Sedlacek typische Kräuter und Gemüse aus der Zeit
des Dichters.
Neben bekannten Pflanzen wie Bohnen, Kürbis, Bärlauch,
Spinat, Kresse, Brennnessel, Rübchen und Löwenzahn lernt
man hier eine Vielzahl "Unbekannter" kennen. So gehört
die "Cardy" zu den Gemüseartischocken und ist auch heute
noch eine wichtige Arzneipflanze. Ebenso der Portulak und die
Rapontica, deren heilsame Wirkung bei Blasen- und Nierenleiden und
für die Fruchtbarkeit überliefert sind. Pastinake, eine
süßlich-würzig schmeckende Wurzel, deren Geschmack
an Karotten und Sellerie erinnert, kannte der Dichter als typische
Gemüsepflanze. Sie wurde gekocht, gebraten oder zu Püree
verarbeitet. Wegen ihres hohen Stärkegehalts wurde sie zudem
zur Herstellung von Bier und Pastinakenwein verwendet.
Der Gartenfreund lernt von Carola Sedlacek allerhand Neues
über die "Alten" unter den Pflanzen. Wussten Sie zum
Beispiel, dass der heute so beliebte "Rucola" schon auf
Goethes Teller zu finden war? Als "Rauke" in Vergessenheit
geraten ist die würzige Salatpflanze heute besonders bei
italienischen Gerichten wieder populär. Wen das noch nicht
staunen lässt, dem sei gesagt, dass eine der
Gemüsepflanzen auf dem Speisezettel des berühmten
Dichters der Weimarer Klassik über zehn verschiedene Namen
trägt? Unter solch klangvollen Bezeichnungen wie
"Ewigkeitskartoffel", "Jerusalemartischocke",
"Erdbirne" oder "Knollensonnenblume" verbirgt sich die
Gemüsepflanze Topinambur, deren Knolle ähnlich wie
Kartoffeln roh oder gekocht verzehrt werden kann.
Mit Ihrem Vortrag über Goethes Gemüsegarten hat Carola
Sedlacek, nicht nur Lust auf Garten, sondern auch auf Gaumenfreuden
zu Goethes Zeit gemacht. Wer weiß, vielleicht findet sich in
dem einen oder anderen Gemüsegarten im nächsten Sommer
neben Kraut und Rüben auch Sauerampfer, Gartenmelde und
Kapuzinerkresse? Gartenfreunde dürfen jedenfalls gespannt
sein, auf den nächsten Sommer und sind auch dann wieder
herzlich zur Veranstaltungsreihe "Offene Gärten"
eingeladen, deren Termine wir Ihnen rechtzeitig im
Veranstaltungskalender bekannt geben.
